Können wirklich alle Hunde schwimmen? Warum der Sprung ins kühle Nass nicht für jeden Vierbeiner sicher ist
Wenn im Hochsommer Seen und Flüsse locken, gilt das oft auch für den Hund. Doch die Annahme, dass jeder Vierbeiner von Natur aus ein guter Schwimmer ist, hält der Realität nicht stand.
Kaum steigen die Temperaturen, zieht es viele Menschen ans Wasser – und der Hund kommt selbstverständlich mit. Das Bild vom Vierbeiner, der begeistert ins kühle Nass springt und mühelos seine Runden dreht, gehört fest zum Sommer. Doch so verbreitet die Annahme ist, jeder Hund sei von Natur aus ein guter Schwimmer, so wenig trifft sie zu. Tatsächlich tun sich manche Hunde im Wasser schwer, und einige geraten sogar in ernste Not.
Paddeln ist nicht gleich schwimmen
Richtig ist: Die meisten Hunde beginnen im Wasser reflexartig zu paddeln. Diese Bewegung sieht nach Schwimmen aus, sorgt aber nicht bei jedem Tier für sicheren Vortrieb oder eine stabile Lage im Wasser. Je nach Quelle gelten schätzungsweise bis zu 15 Prozent der Hunde als schlechte Schwimmer, die schnell untergehen oder sich nur kurz über Wasser halten können. Ob diese Zahl exakt stimmt, ist schwer zu belegen – klar ist aber, dass Körperbau und Rasse eine große Rolle spielen.
Besonders schwer haben es Hunde mit kurzen Beinen und schwerem, kompaktem Körper. Bulldoggen etwa – ob englische oder französische – bringen viel Muskelmasse bei geringem Auftrieb mit und besitzen zudem oft eine kurze Schnauze, die das Atmen beim Schwimmen erschwert. Auch Rassen wie Möpse oder Dackel zählen nicht zu den geborenen Wassersportlern. Am anderen Ende der Skala stehen Hunde, die geradezu fürs Wasser gemacht scheinen: Neufundländer, Labradore oder Portugiesische Wasserhunde verfügen über kräftige Gliedmaßen, teils sogar über Schwimmhäute, und fühlen sich in Seen und Flüssen sichtlich wohl.
Warum das gerade jetzt zählt
In einem Sommer, in dem vielerorts Rekordtemperaturen gemeldet werden, suchen Menschen wie Tiere Abkühlung. Das Wasser wird dann schnell zur naheliegenden Lösung. Genau hier lohnt sich jedoch ein zweiter Blick, denn zur Frage, ob ein Hund schwimmen kann, kommen weitere Risiken hinzu. Kühles Wasser kann bei erhitzten Tieren den Kreislauf belasten, starke Strömungen überfordern selbst gute Schwimmer, und steile oder rutschige Ufer machen den Ausstieg schwer. Auch die Erschöpfung wird oft unterschätzt: Ein Hund, der ausgelassen ins Wasser rennt, merkt seine eigene Ermüdung häufig zu spät.
Fachleute raten deshalb, Hunde langsam und ohne Zwang an das Wasser zu gewöhnen. Ein Tier ins Wasser zu tragen oder gar hineinzuwerfen, um ihm das Schwimmen „beizubringen“, gilt als kontraproduktiv und kann Angst auslösen. Sinnvoller ist es, in flachen, ruhigen Bereichen zu beginnen, den Hund freiwillig hineinlaufen zu lassen und ihn zu loben, wenn er sich sicher fühlt. Für unsichere oder schwer gebaute Hunde gibt es zudem passende Schwimmwesten, die zusätzlichen Auftrieb geben.
Sicher durch den Sommer
Am Ende ist der Umgang mit Wasser vor allem eine Frage der Aufmerksamkeit. Wer seinen Hund im Blick behält, ihm eine leicht zugängliche Ausstiegsstelle bietet und ihn nach dem Baden abtrocknet, senkt das Risiko deutlich. Wichtig ist auch, das Trinken aus stark aufgeheizten oder verunreinigten Gewässern zu vermeiden und den Hund nicht bis zur völligen Erschöpfung planschen zu lassen.
Die gute Nachricht: Für die allermeisten Vierbeiner ist ein Bad an heißen Tagen ein großes Vergnügen und eine willkommene Abkühlung. Es lohnt sich nur, die eigene Erwartung zu hinterfragen. Nicht jeder Hund ist ein Fisch – und wer die individuellen Grenzen seines Tieres kennt, macht den Sommer für beide sicherer und entspannter.
Redaktioneller Ratgeberbeitrag zu einem saisonalen Thema. Angaben wie der genannte Prozentwert beruhen auf allgemein verbreiteten Schätzungen und können je nach Quelle abweichen. Bei gesundheitlichen Fragen zu Ihrem Tier wenden Sie sich bitte an eine Tierärztin oder einen Tierarzt; dieser Beitrag ersetzt keine tiermedizinische Beratung.
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