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Hidden Champions, jetzt digital: Warum Tech-Erfolg nicht an die Großstadt gebunden ist

Innovation gleich Berlin oder Silicon Valley? Beispiele aus der deutschen Provinz zeigen, dass digitale Geschäftsmodelle auch fern der Metropolen wachsen – und woran es dort trotzdem hakt.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Wenn von erfolgreichen Digitalunternehmen die Rede ist, fallen schnell Namen wie Berlin, München oder das Silicon Valley. Doch ein wachsender Teil der deutschen Tech-Szene sitzt nicht in den bekannten Gründerhochburgen, sondern in der Fläche. Eine Pressemitteilung des Affiliate-Marketing-Anbieters adindex aus dem ostwestfälischen Herford nimmt dieses Thema zum Anlass, um auf die Standortfrage in der Digitalwirtschaft zu blicken. Der Einzelfall taugt als Aufhänger für eine Entwicklung, die viele mittelständisch geprägte Regionen betrifft.

Vom Maschinenbau zur Software

Ostwestfalen-Lippe gilt seit Jahrzehnten als Heimat zahlreicher Hidden Champions und Weltmarktführer. Unternehmen wie Miele, Claas, Harting, Hettich oder Weidmüller haben gezeigt, dass internationaler Erfolg nicht an eine Metropoladresse gebunden ist. Diese Tradition setzt sich zunehmend im digitalen Bereich fort: Software, Plattformen und datengetriebene Dienste entstehen heute auch dort, wo früher vor allem Maschinen gebaut wurden. Die industrielle Basis liefert dabei nicht nur Kapital, sondern auch konkrete Anwendungsfälle – von der vernetzten Fertigung bis zur digitalen Vermarktung.

Die Cloud macht den Standort flexibler

Ein wesentlicher Treiber ist die Technik selbst. Cloud-Dienste, Videokonferenzen und kollaborative Werkzeuge haben die Bedeutung des physischen Standorts relativiert. Kundinnen, Partner und Beschäftigte können heute weltweit zusammenarbeiten, unabhängig davon, ob die Firmenzentrale in London oder in einer Kreisstadt liegt. Nach Unternehmensangaben spielt es für die internationale Zusammenarbeit kaum noch eine Rolle, von welchem Ort aus ein Unternehmen geführt wird. Was während der Pandemie zur Notlösung wurde, ist für viele digitale Geschäftsmodelle inzwischen Normalbetrieb.

Was für die Provinz spricht

Für einen Standort abseits der Ballungsräume sprechen mehrere Faktoren: niedrigere Büro- und Lebenshaltungskosten, eine oft höhere Mitarbeiterbindung und die Nähe zu Hochschulen, die Fachkräfte ausbilden. Hinzu kommt eine Unternehmenskultur, die stärker auf nachhaltiges Wachstum und stabile Geschäftsmodelle setzt als auf den schnellen Exit. Während in klassischen Startup-Zentren häufig die nächste Finanzierungsrunde im Mittelpunkt steht, verfolgen viele Mittelständler einen langfristigeren Kurs. Für bestimmte Geschäftsmodelle – etwa solche mit verlässlichen, wiederkehrenden Erlösen – kann das ein Vorteil sein.

Kein Selbstläufer

Bei aller berechtigten Standort-PR sollte man die andere Seite nicht ausblenden. Metropolen bieten weiterhin Vorteile, die sich nicht beliebig kopieren lassen: eine hohe Dichte an Risikokapital, kurze Wege zu Investoren und Beratern sowie einen großen Pool spezialisierter Talente, die sich gegenseitig anziehen. Wer in der Fläche skalieren will, muss oft mehr Aufwand betreiben, um sichtbar zu werden, Spezialisten zu gewinnen und sich in internationale Netzwerke einzuklinken. Auch eine leistungsfähige digitale Infrastruktur ist längst nicht überall selbstverständlich. Das Beispiel Ostwestfalen-Lippe zeigt deshalb vor allem eines: Erfolg im Digitalen ist möglich, ohne in der Metropole zu sitzen – garantiert ist er dadurch aber nicht.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines Branchentrends. Genannte Unternehmen dienen als Beispiel und stellen keine Empfehlung dar.

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