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Fördergeld liegt bereit, doch die KI bleibt liegen: Warum der Mittelstand beim digitalen Einstieg zögert

Für KI- und Digitalberatung übernimmt der Staat einen großen Teil der Kosten. Trotzdem tun sich viele kleine Unternehmen schwer, den ersten Schritt zu gehen. Eine Einordnung.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Kaum ein Thema beschäftigt kleine und mittlere Unternehmen derzeit so sehr wie die Frage, wie sie künstliche Intelligenz sinnvoll in ihren Alltag einbauen. Pressemitteilungen aus der Beratungsbranche zeichnen dabei ein wiederkehrendes Bild: Der Mittelstand habe einen erheblichen Nachholbedarf, gerade bei der Sichtbarkeit in KI-gestützten Suchsystemen. Solche Aussagen stammen naturgemäß von Anbietern, die selbst Beratung verkaufen, und sind deshalb mit Vorsicht zu lesen. Der Kern trifft aber einen realen Punkt: Zwischen dem, was technisch möglich und finanziell gefördert ist, und dem, was tatsächlich umgesetzt wird, klafft eine Lücke.

Was der Staat tatsächlich bezahlt

Ein zentrales Instrument ist die BAFA-Förderung „Förderung unternehmerischen Know-hows". Über sie bezuschusst das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle die Kosten für Unternehmensberatung. Nach den aktuell verfügbaren Angaben liegt der Zuschuss bei bis zu 50 Prozent in den alten und bis zu 80 Prozent in den neuen Bundesländern, bezogen auf maximal 3.500 Euro förderfähige Beratungskosten pro Beratung. Eine KI- oder Digitalisierungsstrategie – also eine Beratung, die Anwendungsfälle identifiziert, Werkzeuge bewertet, rechtliche Fragen einordnet und einen Umsetzungsfahrplan erstellt – fällt in diesen Rahmen. Nicht gefördert wird dagegen die eigentliche Umsetzung, etwa Programmierung oder Software-Einrichtung.

Zwei Details entscheiden in der Praxis über Erfolg oder Misserfolg. Erstens muss der Antrag gestellt werden, bevor der Berater beauftragt wird – wer die Reihenfolge vertauscht, verliert den Anspruch. Zweitens muss der Berater beim BAFA zugelassen sein. Das Programm ist zeitlich befristet und läuft nach derzeitigem Stand bis Ende 2026; ob und in welcher Form es danach fortgeführt wird, ist offen.

Warum das Geld allein nicht zieht

Wenn die Konditionen so attraktiv sind, warum bleibt der große Ansturm dann aus? Ein Grund liegt in der Natur kleiner Betriebe. Wer als Handwerksbetrieb, Kanzlei oder Ladengeschäft mit einer Handvoll Beschäftigten arbeitet, hat selten jemanden, der sich um Förderanträge, Zulassungslisten und Fristen kümmert. Der bürokratische Aufwand wirkt abschreckend, selbst wenn am Ende ein Zuschuss steht. Hinzu kommt eine gewisse Unsicherheit darüber, was KI im eigenen Betrieb überhaupt leisten kann. Zwischen den Schlagzeilen über Sprachmodelle und der Realität einer Terminplanung, Angebotserstellung oder Kundenkommunikation liegt für viele ein schwer greifbarer Abstand.

Ein zweiter Faktor ist Vertrauen. KI-Beratung ist ein junger, teils unübersichtlicher Markt, auf dem sich seriöse Anbieter und Trittbrettfahrer mischen. Die BAFA-Zulassung des Beraters ist hier ein nützliches Filterkriterium, nimmt dem Unternehmer aber nicht die Aufgabe ab, die fachliche Eignung selbst zu prüfen. Wer eine Strategieberatung einkauft, sollte auf konkrete, überprüfbare Ergebnisse achten statt auf allgemeine Versprechen von mehr „Sichtbarkeit".

Ein nüchterner Blick lohnt sich

Für viele kleine Unternehmen dürfte der pragmatischste Weg darin bestehen, KI nicht als großes Transformationsprojekt zu begreifen, sondern als Reihe kleiner, überprüfbarer Schritte. Eine geförderte Strategieberatung kann dabei helfen, die richtigen Prioritäten zu setzen – vorausgesetzt, sie mündet in einen konkreten Fahrplan und nicht in ein Foliendokument. Das eigentliche Risiko liegt derzeit weniger darin, zu viel zu investieren, als darin, aus Unsicherheit gar nicht erst anzufangen und die Anschlussfähigkeit an den Wettbewerb zu verlieren. Fördergeld kann diesen Anstoß erleichtern; ersetzen kann es die unternehmerische Entscheidung nicht.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Branchenthemas und keine Rechts-, Steuer- oder Förderberatung. Konkrete Förderbedingungen, Fristen und Zuständigkeiten sollten vor einer Antragstellung bei den offiziellen Stellen (BAFA) geprüft werden.

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