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Fitness ohne Personal: Warum Smart Gyms den deutschen Studiomarkt umbauen

Immer mehr Fitnessketten eröffnen kleine, rund um die Uhr geöffnete Studios ohne festes Personal. Hinter den einzelnen Neueröffnungen steht eine Verschiebung, die den nach wie vor wachsenden deutschen Fitnessmarkt gerade spürbar verändert.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Wenn ein Fitnessanbieter die Eröffnung eines neuen Studios meldet – zuletzt etwa in der niedersächsischen Gemeinde Leiferde, wo laut Unternehmensangaben ein ehemaliger Fußballprofi als Franchisepartner einsteigt –, klingt das nach einer Lokalnotiz. Tatsächlich steht hinter solchen Meldungen ein Muster, das die Struktur der deutschen Fitnessbranche derzeit umschreibt: der Aufstieg des „Smart Gyms", eines kleinen, weitgehend unbemannten Studios mit langen Öffnungszeiten und schlankem Angebot.

Ein wachsender Markt – aber anders verteilt

Der deutsche Fitnessmarkt bleibt auf Wachstumskurs. Zum Jahresende 2025 zählten die Anlagen rund 12,36 Millionen Mitglieder, ein Plus von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Zahl der Standorte legte zu: auf 9.647 Anlagen, gut 520 mehr als ein Jahr zuvor. Fitness bleibt damit, gemessen an den Mitgliedschaften, die mit Abstand größte organisierte Bewegungsform des Landes.

Interessant ist aber weniger die Gesamtzahl als ihre Verteilung. Das Kettensegment wuchs überdurchschnittlich, zugleich sank die durchschnittliche Mitgliederzahl je Anlage – ein scheinbarer Widerspruch, der sich mit dem Format erklärt: Es entstehen viele neue, aber kleinere Studios. Ein spürbarer Teil dieses Zuwachses entfällt auf Smart-Gym-Standorte, deren Zahl im Berichtszeitraum deutlich stieg. Statt einiger weniger großer Flächen setzen die Betreiber auf ein dichtes Netz kleiner Einheiten.

Was ein Smart Gym ausmacht

Das Prinzip ist bewusst reduziert. Ein Smart Gym belegt oft nur wenige hundert Quadratmeter, konzentriert sich auf Kraft- und Cardiogeräte und verzichtet auf Kurse, Sauna oder Schwimmbad. Der Zutritt läuft über App, Chip oder Code, häufig rund um die Uhr. Personal ist, wenn überhaupt, nur zu einzelnen Zeiten vor Ort; Anmeldung, Vertrag und Betreuung verlagern sich ins Digitale.

Für die Betreiber senkt dieses Modell die Fixkosten pro Standort erheblich und macht auch kleinere Städte und Randlagen wirtschaftlich, in denen sich ein großes Studio kaum trägt. Für viele Mitglieder wiederum passt die Kombination aus niedrigem Beitrag, Wohnortnähe und freier Zeiteinteilung zu einem Alltag, in dem das Training zwischen Arbeit, Familie und Schichtzeiten eingepasst werden muss. Die Franchise-Struktur, wie sie mehrere Ketten nutzen, erlaubt zudem eine rasche Expansion über lokale Partner.

Gegenbewegung im gleichen Markt

Der Trend zum Unbemannten ist allerdings nicht die ganze Geschichte. Parallel wächst ein gegenläufiges Segment: das Boutique- oder Mikrostudio, das gerade auf persönliche Betreuung, kleine Gruppen und ein spezialisiertes Angebot setzt – und dafür deutlich höhere Beiträge verlangt. Beide Formate zehren vom selben Grundbedürfnis nach Bewegung, bedienen es aber an entgegengesetzten Enden: hier maximale Flexibilität zum kleinen Preis, dort Nähe und Anleitung zum Aufpreis. Zwischen diesen Polen geraten klassische Vollsortiment-Studios der mittleren Preisklasse zunehmend unter Druck.

Wo die Grenzen liegen

Bei aller Effizienz hat das unbemannte Modell blinde Flecken. Wer neu einsteigt, unsicher an Geräten ist oder eine Vorerkrankung hat, findet in einem menschenleeren Studio nur begrenzt Orientierung; eine qualifizierte Trainingsanleitung ersetzt keine App. Auch Fragen von Sicherheit, Hausrecht und Notfallversorgung in personalfreien Zeiten werden in der Branche diskutiert. Und niedrige Beiträge verführen erfahrungsgemäß zu Verträgen, die nach den ersten Wochen ungenutzt weiterlaufen – ein alter Mechanismus, den das neue Format eher verstärkt als auflöst.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher lohnt daher der nüchterne Blick: Wie oft werde ich realistisch trainieren, brauche ich Betreuung, und wie sind Kündigung und Laufzeit geregelt? Der Smart-Gym-Boom macht den Zugang zum Training billiger und bequemer. Ob er ihn auch wirksamer macht, entscheidet sich weiterhin nicht am Türcode, sondern an der Regelmäßigkeit.


Redaktionelle Einordnung eines Branchentrends. Einzelne genannte Anbieter dienen nur als Beispiel und stellen keine Empfehlung dar.