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Fit ins Berufsleben: Warum Betriebe die Gesundheit ihrer Azubis zur Chefsache machen

Auszubildende sind knapp, umworben und gesundheitlich oft stärker belastet als gedacht. Immer mehr Betriebe machen Gesundheitsförderung zur Personalstrategie – zunehmend in Kooperation.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wenn mehrere Ausbildungsbetriebe einer Stadt ihre Auszubildenden gemeinsam an einem Gesundheitsformat teilnehmen lassen, klingt das zunächst nach einer organisatorischen Randnotiz. Tatsächlich steht dahinter ein größerer Wandel: Die Generation, die heute eine Lehre beginnt, ist knapp, umworben und gesundheitlich oft stärker belastet, als das jugendliche Alter vermuten lässt. Betriebe entdecken die Gesundheitsförderung in der Ausbildung deshalb zunehmend als Instrument der Fachkräftesicherung – und nicht mehr nur als freiwillige Sozialleistung.

Die Ausbildungszeit ist gesundheitlich kein Selbstläufer

Dass junge Menschen automatisch gesund sind, ist ein hartnäckiger Irrtum. Untersuchungen zur betrieblichen Gesundheitsförderung in der Ausbildung zeichnen ein anderes Bild: Über den Verlauf einer zweijährigen Lehre nimmt die sportliche Aktivität messbar ab, das Körpergewicht steigt im Durchschnitt, und Rückenbeschwerden treten häufiger auf. Während die große Mehrheit der Auszubildenden ihre Gesundheit grundsätzlich als gut bewertet, berichtet ein erheblicher Teil von Beschwerden, die mit dem Arbeitsplatz zusammenhängen.

Hinzu kommen psychische Belastungen, die in der öffentlichen Wahrnehmung lange unterschätzt wurden. Erschöpfung und Müdigkeit stehen bei den genannten Symptomen weit oben, ebenso die Angst, Fehler zu machen, sowie Konflikte und ungewohnte Arbeitszeiten. Der Übergang von der Schule in den Betrieb ist für viele ein abrupter Wechsel, der Struktur, Tempo und Verantwortung auf einen Schlag verändert.

Warum Betriebe jetzt reagieren

Der demografische Druck verschärft die Lage. Ausbildungsplätze bleiben in vielen Branchen unbesetzt, Abbrecherquoten belasten die Personalplanung, und jeder verlorene Azubi bedeutet hohe Folgekosten. Gesundheitsförderung wird in diesem Umfeld zum Bindungsinstrument: Wer früh signalisiert, dass das Wohlbefinden der jüngsten Beschäftigten ernst genommen wird, erhöht die Chance, sie nach dem Abschluss zu halten.

Bemerkenswert ist die Offenheit der Zielgruppe selbst. Befragungen zeigen, dass Auszubildende betrieblichen Gesundheitsangeboten überwiegend positiv gegenüberstehen und sie mehrheitlich begrüßen. Das unterscheidet sie von manch älterer Belegschaft, bei der solche Programme zuweilen als bevormundend empfunden werden. Bei jungen Beschäftigten lässt sich Prävention also vergleichsweise früh und nachhaltig verankern.

Vom Einzelbetrieb zur Kooperation

Neu ist vor allem die Form. Statt dass jeder Betrieb für seine Handvoll Auszubildender ein eigenes Programm aufsetzt, entstehen betriebsübergreifende Formate, bei denen mehrere Unternehmen ihre Lehrlinge zusammenbringen. Für kleinere und mittlere Betriebe senkt das die Hürde erheblich: Allein lohnt sich ein strukturiertes Gesundheitsangebot oft nicht, im Verbund schon. Solche Kooperationen – etwa wenn mehrere Ausbildungsbetriebe einer Region ein gemeinsames Format starten, das später um Angebote für weitere Berufsgruppen ergänzt werden soll – sind ein Indiz dafür, dass das Thema im Mittelstand ankommt.

Inhaltlich reichen die Ansätze von Bewegungs- und Ernährungseinheiten über Stressbewältigung bis zur Gesundheitskompetenz, also der Fähigkeit, gesundheitsbezogene Informationen einzuordnen und im Alltag anzuwenden. Realistisch betrachtet können solche Programme die Belastungen der Ausbildungszeit nicht vollständig auffangen. Ihr Wert liegt eher in der Sensibilisierung: Wer in jungen Jahren lernt, auf Schlaf, Bewegung und die eigenen Grenzen zu achten, nimmt diese Routinen mit ins weitere Berufsleben.

Ein Trend mit langem Atem

Ob aus den ersten Kooperationsformaten ein flächendeckendes Modell wird, ist offen. Klar ist aber, dass sich die Perspektive verschiebt: Gesundheit in der Ausbildung gilt immer seltener als Kür und immer öfter als Teil einer ernst gemeinten Personalstrategie. Für Auszubildende ist das eine gute Nachricht – und für Betriebe womöglich eine der günstigeren Investitionen in eine knappe Ressource.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Branchentrends und stellt keine Gesundheitsberatung dar. Genannte Unternehmen dienen lediglich als Aufhänger.

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