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Europameister aus Berlin-Rudow: Wie ein inklusives Cheer-Team in Prag Gold holte – und was der Erfolg über Förderlücken verrät

Ein Berliner Team aus Tänzerinnen und Tänzern mit und ohne Behinderung gewinnt den Europameistertitel im Performance Cheer. Der Erfolg zeigt, was inklusiver Leistungssport kann – und wo die Förderstrukturen noch nicht mithalten.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Cheerleading verbindet man in Deutschland meist mit dem Rahmenprogramm von Football- oder Handballspielen. Dass die Disziplin längst ein eigenständiger Wettkampfsport mit europäischen und weltweiten Meisterschaften ist, bleibt oft unter dem Radar – und noch weniger bekannt ist, dass es darin auch inklusive Kategorien gibt, in denen Athletinnen und Athleten mit und ohne Behinderung gemeinsam antreten. Genau in einer solchen Kategorie hat nun ein Berliner Team einen bemerkenswerten Erfolg gefeiert: Das Performance-Cheer-Team Dance Divine des TSV Rudow 1888 e.V. hat nach Vereinsangaben bei der ICU Europe Cheerleading Championship 2026 in Prag den Europameistertitel gewonnen.

Sechzehn Athleten, ein Team

Die Europameisterschaft fand vom 3. bis 5. Juli in der tschechischen Hauptstadt statt und versammelte die besten Cheerleading- und Performance-Cheer-Teams Europas. Dance Divine trat in der Kategorie „Adaptive Abilities Unified Freestyle Pom“ an – einem Format, das gemischte Teams aus Menschen mit und ohne Behinderung vorsieht. Das 2021 gegründete Berliner Team besteht aus 16 Tänzerinnen und Tänzern; dazu gehören laut Verein unter anderem Mitglieder, die blind sind, mit Trisomie 21 leben oder eine geistige beziehungsweise körperliche Behinderung haben. Trainiert wird zweimal pro Woche, geleitet wird das Team von den Trainerinnen und Choreografinnen Alina Gampe und Lena Schiele.

Vom Landesmeister zum Europameister in einer Saison

Der Titel in Prag ist der Schlusspunkt einer Saison, die für das junge Team ungewöhnlich steil verlief: Auf den Landesmeistertitel Ost folgte die Deutsche Meisterschaft, danach richtete sich die Vorbereitung vollständig auf die Europameisterschaft aus. Dass die Reise dorthin für ein inklusives Team mehr bedeutet als Choreografie-Training, beschreibt Trainerin Gampe in der Vereinsmitteilung offen: Jede Tänzerin und jeder Tänzer bringe individuelle Bedürfnisse mit, die bei einer Meisterschaft im Ausland – von der Reiselogistik bis zum Wettkampfzeitplan – unter einen Hut gebracht werden müssen. Für die beiden Trainerinnen war es zudem die erste internationale Meisterschaft in dieser Rolle.

Der wunde Punkt: Finanzierung

So glänzend der sportliche Erfolg, so ernüchternd liest sich der zweite Teil der Mitteilung. Für inklusive Performance-Cheer-Teams existieren nach Darstellung des Vereins bislang kaum passende Fördertöpfe – ein erheblicher Teil der Kosten für Training, Wettkampf und die Reise nach Prag musste eigenständig gestemmt werden. Geholfen hat am Ende privates Engagement: Eine Spende über 3.000 Euro, deren Kontakt nach Vereinsangaben über die Berliner SPD-Politikerin Franziska Giffey vermittelt wurde, trug wesentlich zur Finanzierung bei. Dass ein amtierender Deutscher Meister auf Einzelspenden angewiesen ist, um sein Land bei einer Europameisterschaft zu vertreten, wirft ein Schlaglicht auf eine strukturelle Lücke: Der organisierte Behinderten- und Inklusionssport ist in Deutschland in vielen Disziplinen gut aufgestellt, doch jüngere oder kleinere Sportarten fallen bei Förderprogrammen häufig durchs Raster.

Inklusion als Leistungssport

Der Fall Dance Divine zeigt exemplarisch, dass Inklusion im Sport längst nicht mehr nur Teilhabe im Breitensport bedeutet. Unified-Formate, bei denen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam im Wettkampf stehen, etablieren sich international in immer mehr Disziplinen – von der Leichtathletik über Special-Olympics-Formate bis eben zum Cheerleading. Sie stellen Vereine allerdings vor Aufgaben, die klassische Teams so nicht kennen: individuelle Trainingsanpassungen, barrierefreie Reiseplanung, spezielle Betreuung im Wettkampf. Dass ein Berliner Breitensportverein mit einer Cheerleading-Abteilung diese Aufgabe bis zum Europameistertitel getragen hat, ist deshalb mehr als eine Randnotiz aus der Sportwelt – es ist ein Hinweis darauf, wo inklusiver Leistungssport stehen könnte, wenn die Förderstrukturen mit dem Engagement der Basis Schritt halten würden.


Redaktionelle Einordnung auf Basis einer Pressemitteilung des TSV Rudow 1888 e.V. (via openPR).

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