Energie aus dem Duschabfluss: Warum Hotels ihr Grauwasser als Wärmequelle entdecken
Warmes Duschwasser verschwindet meist ungenutzt im Abfluss – dabei steckt darin ein erheblicher Teil der Energie, die vorher teuer erzeugt wurde. Ein Hotel-Fallbeispiel aus dem Riesengebirge zeigt, wie Grauwasser-Wärmerückgewinnung mit Wärmepumpe und Photovoltaik zusammenspielt.
In der Energiedebatte geht es meist um Erzeugung: mehr Photovoltaik, mehr Wärmepumpen, mehr Speicher. Eine unscheinbarere Stellschraube gerät dabei leicht aus dem Blick – die Wärme, die täglich ungenutzt in den Abfluss läuft. Wenn in einem Hotel morgens dutzende Gäste gleichzeitig duschen, verschwindet mit dem etwa 35 bis 38 Grad warmen Abwasser ein Großteil der Energie, die kurz zuvor aufwendig ins Wasser gesteckt wurde. Genau hier setzt die sogenannte Grauwasser-Wärmerückgewinnung an, im Fachjargon DWHR (Drain Water Heat Recovery).
Das Prinzip: Der Abfluss wärmt das Frischwasser vor
Die Technik ist verblüffend einfach. In die Fallleitungen, über die das Duschwasser abläuft, werden vertikale Wärmetauscher eingebaut: Das warme Abwasser strömt an einer Rohrwand entlang nach unten, während auf der anderen Seite kaltes Trinkwasser nach oben geführt und dabei vorgewärmt wird. Es gibt keine beweglichen Teile, keine Pumpen, keinen Strombedarf – nur Physik. Ältere Geräte erreichen Wirkungsgrade um die 45 bis 50 Prozent, neuere Modelle sollen laut Herstellerangaben über 70 Prozent der Abwasserwärme zurückgewinnen. Weil das Frischwasser bereits vorgewärmt beim Warmwasserbereiter ankommt, muss die eigentliche Wärmequelle – ob Gaskessel oder Wärmepumpe – deutlich weniger leisten.
Interessant ist das überall dort, wo viel und regelmäßig geduscht wird: in Hotels, Sportstätten, Schwimmbädern, Pflegeheimen oder Studentenwohnheimen. In den Niederlanden und Großbritannien ist die Technik im Neubau seit Jahren etabliert; in Deutschland führt sie bislang eher ein Nischendasein.
Ein Fallbeispiel aus dem Riesengebirge
Wie sich die Technik im Dauerbetrieb schlägt, illustriert eine aktuelle Fallstudie, die der Anlagenbauer EOD Technologies zu einem Hotel im polnischen Karpacz veröffentlicht hat. Dort läuft seit 2013 ein integriertes System aus einer 35-Kilowatt-Erdwärmepumpe, einem Frischwassermodul, das Warmwasser im Durchflussprinzip erzeugt und so das Legionellen-Risiko großer Speicher umgeht, Duschwasser-Wärmetauschern in den Fallleitungen sowie einer 10-Kilowatt-Photovoltaikanlage. Ein Energiemanagementsystem verschiebt Heiz- und Speicherprozesse gezielt in die Stunden mit hoher Solarstromproduktion – ein Ansatz, der heute unter dem Schlagwort Peak-Management firmiert, 2013 aber noch ungewöhnlich war.
Nach Unternehmensangaben, die auf der Auswertung von Wärmemengenzählern beruhen, gewannen die Wärmetauscher im Betrachtungszeitraum rund 35.000 Kilowattstunden Wärme direkt aus dem ablaufenden Duschwasser zurück – bei gut 1,1 Millionen Litern erwärmten Wassers. Zusammen mit Wärmepumpe und Eigenstrom sollen die Warmwasserkosten um knapp 90 Prozent unter denen eines konventionellen Systems liegen. Solche Herstellerzahlen sind naturgemäß mit Vorsicht zu lesen, da Vergleichsszenarien großzügig gerechnet sein können. Der Kern der Aussage deckt sich aber mit dem, was unabhängige Untersuchungen zu DWHR-Systemen nahelegen: In Gebäuden mit hohem Warmwasserverbrauch amortisiert sich die passive Wärmerückgewinnung vergleichsweise schnell.
Nebeneffekt: Die Wärmepumpe wird entlastet
Ein Detail des Fallbeispiels dürfte für Planer besonders relevant sein. Wärmepumpen können Gebäudeheizung und Warmwasser nicht gleichzeitig bedienen; bei Duschspitzen schalten sie in den Warmwasser-Vorrang und unterbrechen die Heizung. Wird das Frischwasser durch Abwasserwärme vorgewärmt, verkürzen sich diese Vorrangphasen erheblich – die Zimmer bleiben auch bei Kälteeinbrüchen warm, ohne dass eine größere und teurere Wärmepumpe nötig wäre. Die Wärmerückgewinnung wirkt damit nicht nur auf die Betriebskosten, sondern auch auf die Dimensionierung der gesamten Anlage.
Für das deutsche Gastgewerbe, das zwischen gestiegenen Energiepreisen und Nachhaltigkeitserwartungen der Gäste steht, ist das ein bemerkenswert unspektakulärer Hebel: keine Förderdebatte, keine Netzanschlussfrage – nur ein Stück Rohr, das zurückholt, was sonst verloren ginge.
Redaktionelle Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen, u.a. einer Fallstudien-Pressemitteilung der EOD Technologies Sp. z o.o. (openPR). Kennzahlen beruhen auf Unternehmensangaben.
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