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Die Stadt als Schwamm: Wie Regenwasser den Stadtbaum durch den Hitzesommer bringt

Trockene Sommer setzen Stadtbäumen zu. Mit dem Schwammstadt-Prinzip und unterirdischen Baumrigolen wollen Kommunen Regenwasser halten, statt es wegzuleiten.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Jahrzehntelang galt Regen in der Stadt vor allem als Problem, das es möglichst schnell loszuwerden galt: ab in den Gully, ab in die Kanalisation, weg. Inzwischen denken viele Kommunen um. Längere Hitzeperioden, trockene Sommer und gleichzeitig immer heftigere Starkregen lassen ein neues Leitbild reifen – die „Schwammstadt". Ihre Idee klingt schlicht: Niederschlag soll dort gehalten werden, wo er fällt, um ihn später nutzen zu können, statt ihn in die Rohre zu schicken.

Warum der Stadtbaum zum Sorgenkind wird

Im Zentrum vieler dieser Überlegungen steht ein unscheinbarer Verlierer des Klimawandels: der Straßenbaum. Eingeklemmt zwischen Asphalt, verdichtetem Boden und versiegelten Flächen bekommt er bei Trockenheit kaum noch Wasser an die Wurzeln. Gleichzeitig leistet er für das Stadtklima Erstaunliches – er spendet Schatten, kühlt durch Verdunstung und kann an heißen Tagen den Unterschied zwischen einer erträglichen und einer flirrend heißen Straße ausmachen. Wenn solche Bäume reihenweise vertrocknen, verliert eine Stadt nicht nur Grün, sondern einen Teil ihrer natürlichen Klimaanlage.

Baumrigolen: unterirdische Wasserspeicher

Eine der konkretesten Antworten auf dieses Problem trägt einen sperrigen Namen: die Baumrigole. Dahinter steckt ein unterirdisches System aus speicherfähigem Substrat und Hohlräumen rund um den Wurzelbereich, in das Regenwasser von Straßen, Wegen oder Dächern geleitet wird. Bei Starkregen nimmt die Rigole das Wasser auf und entlastet so die Kanalisation; in Trockenphasen steht es dem Baum als Vorrat zur Verfügung. Aus Niederschlag, der früher ungenutzt abfloss, wird auf diese Weise ein Puffer, der gleich zwei Probleme adressiert – Überflutung bei Wolkenbrüchen und Wassermangel bei Dürre.

In mehreren deutschen Regionen, unter anderem im Ruhrgebiet und in bayerischen Modellprojekten, werden solche Anlagen inzwischen erprobt und wissenschaftlich begleitet. Untersucht wird etwa, wie viel Wasser sich speichern lässt, wie die Substrate auf Dauer funktionieren und welche Empfehlungen sich daraus für den Bau und die Pflege solcher Anlagen ableiten lassen. Aus den Pilotprojekten sollen Leitfäden entstehen, an denen sich weitere Kommunen orientieren können.

Mehr als eine technische Spielerei

Die Schwammstadt ist dabei kein einzelnes Bauteil, sondern ein Bündel von Ansätzen: entsiegelte Flächen, begrünte Dächer, Mulden zum Versickern, multifunktionale Plätze, die bei Regen kurzzeitig Wasser aufnehmen können. Fachleute aus Planung und Verwaltung stehen dem Prinzip überwiegend aufgeschlossen gegenüber. In einer breit angelegten Branchenbefragung im Frühjahr 2025 bewertete laut den veröffentlichten Ergebnissen eine deutliche Mehrheit der befragten Architektinnen, Ingenieure und Behördenvertreter das dezentrale Regenwassermanagement positiv; Themen wie Starkregenvorsorge und Regenwassernutzung wurden als Top-Prioritäten genannt.

Wo es noch hakt

So überzeugend das Konzept klingt, der Umbau geht nicht über Nacht. Baumrigolen und entsiegelte Flächen sind in der Anlage teurer und aufwändiger als ein simpler Gully, sie brauchen Platz im ohnehin vollen Untergrund der Stadt und müssen gepflegt werden, damit sie funktionieren. Hinzu kommen Zuständigkeiten, die quer durch Tiefbau, Grünflächenamt und Stadtentwässerung verlaufen. Der Trend zur Schwammstadt zeigt aber, dass sich der Blick auf Regenwasser grundlegend verschiebt: vom lästigen Abfluss zur Ressource, die eine Stadt in heißen Sommern dringend brauchen kann.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Trends im Bereich klimaangepasster Stadtentwicklung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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