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Das Faxgerät vor dem Aus: Wie sichere Messenger die Klinik-Kommunikation umbauen

Faxgeräte prägen den Alltag im deutschen Gesundheitswesen bis heute. Mit dem TI-Messenger soll sich das ändern – ein Blick auf Chancen, Hürden und den Unterschied zu KIM.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Kaum eine Branche hält dem Faxgerät so lange die Treue wie das deutsche Gesundheitswesen. Befunde, Überweisungen und Rückfragen wandern nach wie vor über Telefon und Papierrolle von Praxis zu Klinik. Mit dem sogenannten TI-Messenger (TIM) will die gematik – die für die digitale Infrastruktur im Gesundheitswesen zuständige Gesellschaft – diesen Zustand ändern und sicheres Chatten in Echtzeit zum Standard machen. Der Aufhänger ist konkret, der eigentliche Vorgang aber größer: Es geht um die Frage, wie ein hochsensibler Bereich seine Alltagskommunikation digitalisiert, ohne den Datenschutz zu verlieren.

Was der TI-Messenger leisten soll

Der TI-Messenger ist eine Anwendung der Telematikinfrastruktur (TI), des geschützten Netzes, über das Praxen, Kliniken, Apotheken und Pflegeeinrichtungen Daten austauschen. Anders als bei gängigen Consumer-Apps läuft die Kommunikation Ende-zu-Ende verschlüsselt und an die gesicherten Identitäten der Beteiligten gebunden. Technisch setzt das System auf den offenen Standard Matrix, was Interoperabilität verschiedener Anbieter ermöglichen soll – ein Chat aus der Software des einen Herstellers soll also auch den Nutzer eines anderen Produkts erreichen.

Gedacht ist der Messenger vor allem für das, was man als flüchtige Kommunikation bezeichnen könnte: kurze organisatorische Rückfragen zwischen Kolleginnen und Kollegen, schnelle Abstimmungen innerhalb einer Klinik oder zwischen Einrichtungen. Für die formale, rechtsverbindliche Kommunikation – etwa den elektronischen Arztbrief oder die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – bleibt der bereits etablierte Dienst KIM (Kommunikation im Medizinwesen) zuständig, der eine qualifizierte elektronische Signatur erlaubt. TIM und KIM ergänzen sich also, statt sich zu ersetzen.

Warum die Umstellung schleppend verläuft

Dass das Fax trotz solcher Alternativen überlebt, hat mehrere Gründe. Es ist anbieterunabhängig, in jeder Praxis vorhanden und gilt vielen als rechtssicher genug. Neue digitale Dienste müssen dagegen erst in die Praxissoftware integriert, finanziert und im Arbeitsalltag verankert werden. Hinzu kommt die Sorge vor zusätzlichem Aufwand in ohnehin angespannten Abläufen. Die Erfahrung mit früheren TI-Anwendungen zeigt, dass technische Verfügbarkeit und tatsächliche Nutzung weit auseinanderliegen können.

Der Gesetzgeber und die Selbstverwaltung versuchen deshalb, mit sanftem Druck nachzuhelfen. So wurde laut Berichten zum Jahr 2026 in den Abrechnungsdaten ein Feld eingeführt, über das erfasst wird, ob eine Praxis TI-Fachanwendungen wie den Messenger unterstützt und nutzt. Eine unmittelbare Honorarkürzung bei Nichtnutzung ist damit nach den vorliegenden Informationen aber nicht verbunden. Parallel sollen spezialisierte Varianten den Kreis der Anwender erweitern, etwa Lösungen, die direkt auf den Bedarf von Ärztinnen, Ärzten und Zahnärzten zugeschnitten sind, sowie die Anbindung an Krankenkassen-Apps, über die auch Versicherte erreichbar werden.

Zwischen Effizienzversprechen und Realität

Die Versprechen klingen plausibel: weniger Medienbrüche, schnellere Rückfragen, weniger verlorene Faxe, eine nachvollziehbare und verschlüsselte Kommunikation. Ob sie sich einlösen, hängt weniger an der Technik als an der Bereitschaft, eingespielte Routinen zu ändern. Entscheidend dürfte sein, dass die verschiedenen Messenger-Produkte tatsächlich reibungslos miteinander sprechen und dass die Bedienung nicht komplizierter ist als der Griff zum Faxgerät. Solange ein einziger nicht erreichbarer Kommunikationspartner den Rückfall auf Papier erzwingt, bleibt der alte Apparat im Spiel.

Bemerkenswert ist der Vorgang vor allem als Lehrstück über Digitalisierung im öffentlich regulierten Raum. Sicherheit, Interoperabilität und Datenschutz sind hier nicht optional, sondern Voraussetzung – was die Einführung anspruchsvoller macht als bei kommerziellen Chat-Apps. Das Faxgerät verschwindet deshalb nicht über Nacht. Aber die Richtung ist klar: Die organisatorische Kommunikation im Gesundheitswesen wandert, Schritt für Schritt, vom Tonsignal in den verschlüsselten Chat.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Branchentrends und stellt keine technische, rechtliche oder gesundheitliche Beratung dar. Angaben zu Fristen und Funktionen können sich ändern; maßgeblich sind die offiziellen Informationen der gematik und der zuständigen Stellen.

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