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Comeback am Krankenbett: Warum der Wiedereinstieg in den Pflegeberuf zum Hoffnungsträger wird

Mindestens 300.000 ausgestiegene Pflegekräfte könnten zurückkehren, wenn die Bedingungen stimmen. Warum die „stille Reserve" der Pflege zum unterschätzten Hebel gegen den Fachkräftemangel wird.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Der Personalmangel in der Pflege gilt seit Jahren als eines der drängendsten Probleme des deutschen Gesundheitswesens. Während die Debatte lange um Anwerbung aus dem Ausland und mehr Ausbildungsplätze kreiste, rückt zunehmend eine dritte Gruppe in den Blick: Menschen, die den Beruf bereits gelernt haben – und ihn verlassen haben. Eine aktuelle Pressemitteilung des Personaldienstleisters Doxx wirbt dieser Tage für den Wiedereinstieg nach Elternzeit, Sabbatical oder beruflicher Neuorientierung. Der Anlass ist werblich, das dahinterliegende Thema aber hochrelevant.

Ein Reservoir von mehreren hunderttausend Fachkräften

Wie groß das Potenzial ist, hat die Studie „Ich pflege wieder, wenn …" der Arbeitnehmerkammer Bremen, der Arbeitskammer des Saarlandes und des Instituts Arbeit und Technik beziffert: Mindestens 300.000 zusätzliche Vollzeitkräfte ließen sich demnach gewinnen, wenn ausgestiegene Pflegefachpersonen zurückkehrten und Teilzeitkräfte aufstockten – in einer optimistischen Rechnung sogar bis zu 660.000. Grundlage war eine bundesweite Befragung von rund 12.700 Personen, die entweder in Teilzeit arbeiten oder den Beruf verlassen haben.

Das ist eine bemerkenswerte Größenordnung. Zum Vergleich: Über Jahre hinweg wurde in der Branche vor allem darüber diskutiert, wie sich einige zehntausend Fachkräfte pro Jahr aus dem Ausland gewinnen lassen – mit allen bekannten Hürden bei Anerkennung, Sprache und Integration. Das Rückkehrpotenzial im Inland ist rechnerisch um ein Vielfaches größer.

Die Bedingungen sind der Knackpunkt

Allerdings ist das Potenzial an klare Voraussetzungen geknüpft. Die Befragten nannten als wichtigste Bedingung eine Personalausstattung, die sich tatsächlich am Bedarf der pflegebedürftigen Menschen orientiert – also genug Kolleginnen und Kollegen pro Schicht, um gute Pflege überhaupt leisten zu können. Dahinter folgen verlässliche Dienstpläne und eine bessere Bezahlung. Wer einmal wegen chronischer Überlastung gegangen ist, kommt nicht zurück, solange sich an den Ursachen nichts ändert.

Genau hier setzen inzwischen auch kommerzielle Anbieter an. Zeitarbeits- und Vermittlungsfirmen werben – wie im aktuellen Fall – mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, planbaren Diensten und attraktiven Konditionen um Rückkehrwillige. Laut Unternehmensangaben sollen solche Modelle gerade Menschen nach einer Familienphase den Einstieg erleichtern, weil sich Arbeitszeiten besser mit Betreuungspflichten vereinbaren lassen. Aus Sicht vieler Kliniken und Heime ist der Boom der Pflege-Zeitarbeit allerdings ambivalent: Er verschafft einzelnen Beschäftigten bessere Bedingungen, verteuert aber die Personaldecke der Einrichtungen und kann Stammbelegschaften zusätzlich belasten.

Was Einrichtungen selbst tun können

Interessant ist, dass viele der Forderungen von Rückkehrwilligen gar nicht primär beim Gesetzgeber liegen, sondern bei den Arbeitgebern selbst: verbindliche Ausfallkonzepte statt Einspringen aus dem Frei, Wunschdienstpläne, strukturierte Wiedereinstiegsprogramme mit Auffrischungskursen für Menschen, die mehrere Jahre raus waren. Einige Träger haben inzwischen eigene „Comeback"-Programme aufgelegt, die genau diese Punkte adressieren – oft mit Hospitationen und angepassten Einarbeitungszeiten.

Für die Politik bleibt dennoch genug zu tun. Die seit Jahren diskutierte bundeseinheitliche Personalbemessung in Krankenhäusern und Pflegeheimen gilt vielen Fachleuten als Schlüssel, weil sie verbindlich festlegen würde, wie viel Personal für wie viele Pflegebedürftige nötig ist – und damit genau jene Bedingung schaffen könnte, die Rückkehrwillige am häufigsten nennen.

Einordnung

Der Wiedereinstieg ausgebildeter Pflegekräfte ist kein Wundermittel, aber ein bislang unterschätzter Hebel gegen den Fachkräftemangel. Dass inzwischen auch Personaldienstleister offensiv um diese Zielgruppe werben, zeigt vor allem eines: Der Arbeitsmarkt hat verstanden, dass die „stille Reserve" der Pflege ein wertvolles Gut ist. Ob daraus ein breiter Trend wird, hängt weniger von Werbekampagnen ab als davon, ob sich die Arbeitsbedingungen in der Fläche spürbar verbessern.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen, darunter eine Pressemitteilung der Doxx GmbH (openPR) und die Studie „Ich pflege wieder, wenn …". Er stellt keine Empfehlung einzelner Anbieter dar.

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