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Chips, Strom und Lieferketten: Warum Taiwan in Europa um Partner wirbt

In Warschau hat Ende Juni die Taiwan Expo in Europe stattgefunden. Hinter der Messe steht ein größeres Thema: die Suche nach robusteren Lieferketten zwischen Taiwan und der EU.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wenn Taiwan in Europa eine Messe ausrichtet, geht es längst nicht mehr nur um Produktkataloge. Vom 22. bis 24. Juni 2026 fand in Warschau die „Taiwan Expo in Europe" statt – erstmals in Polen, und in einer Zeit, in der die Frage nach verlässlichen Lieferketten ganz oben auf der wirtschaftspolitischen Tagesordnung steht. Die Messe ist damit ein gutes Schlaglicht auf eine Entwicklung, die weit über einen einzelnen Veranstaltungsort hinausreicht.

Eine Messe als Türöffner für einen Markt

Die Taiwan Expo in Europe wird seit 2017 ausgerichtet, fand in diesem Jahr aber zum ersten Mal in Polen statt. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich mehr als 100 taiwanische Unternehmen, die Lösungen aus Bereichen wie intelligenter Fertigung, grüner Energie, Smart-City-Technik und autonomer Mobilität präsentierten. Neben Produktschauen standen Fachforen und sogenannte B2B-Matchmaking-Termine im Mittelpunkt – also organisierte Treffen zwischen Anbietern und potenziellen Geschäftspartnern.

Bemerkenswert ist die Gästeliste: Zum ersten Mal waren auch Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Union, Japans und der Ukraine eingeladen, um über eine tiefere Zusammenarbeit bei Lieferketten zu sprechen. Das zeigt, dass es bei solchen Formaten nicht allein um bilateralen Handel geht, sondern um die Einbindung in größere wirtschaftliche Netzwerke.

Warum gerade Polen?

Dass Taiwan ausgerechnet Warschau als Bühne wählt, hat Gründe. Polens Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, das Land gilt als Tor zum mittel- und osteuropäischen Markt. Nach Angaben der taiwanischen Seite ist der bilaterale Handel seit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung im Jahr 2018 um rund 20 Prozent gestiegen. Im Gespräch ist zudem ein Technologiepark im niederschlesischen Miękinia – ein Vorhaben, das die Zusammenarbeit über Messen hinaus verstetigen soll.

Für europäische Unternehmen ist das aus zwei Richtungen interessant. Zum einen ist Taiwan ein Schwergewicht in der Halbleiterfertigung, einer Schlüsselindustrie, ohne die weder Autos noch Industrieanlagen noch Rechenzentren auskommen. Zum anderen suchen viele Firmen nach Wegen, ihre Bezugsquellen breiter aufzustellen, statt sich auf einen einzigen Markt zu verlassen.

Lieferketten als geopolitisches Thema

Die Pandemiejahre und die anschließenden Engpässe bei Mikrochips haben in vielen Branchen ein Umdenken ausgelöst. Begriffe wie „De-Risking" oder „Diversifizierung" beschreiben den Versuch, Abhängigkeiten zu verringern, ohne sich vollständig aus internationalen Verflechtungen zurückzuziehen. Taiwan spielt in dieser Debatte eine besondere Rolle: technologisch hochentwickelt, zugleich aber in einer geopolitisch sensiblen Lage. Genau diese Mischung macht das Land für europäische Partner sowohl attraktiv als auch zu einem Faktor, den man strategisch mitdenken muss.

Aus europäischer Sicht ist Kooperation mit Taiwan deshalb mehr als ein Handelsthema. Sie berührt Fragen der industriellen Souveränität, der Energieversorgung und der Frage, wo künftig kritische Komponenten gefertigt werden. Foren wie die Taiwan Expo bieten hier weniger fertige Antworten als vielmehr eine Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und konkrete Projekte anzubahnen.

Was bleibt nach der Messe?

Der eigentliche Wert solcher Veranstaltungen zeigt sich erst Monate später – in unterzeichneten Verträgen, gemeinsamen Pilotprojekten oder eben in einem Technologiepark, der vom Plan zur Baustelle wird. Für den Mittelstand in Deutschland und seinen Nachbarländern lohnt es sich, solche Entwicklungen im Blick zu behalten: Wer frühzeitig versteht, wo sich neue Lieferketten und Technologiepartnerschaften bilden, kann sich besser positionieren als jene, die erst beim nächsten Engpass reagieren.

Ob aus den Warschauer Gesprächen tatsächlich eine dauerhaft engere Verbindung zwischen Taiwan und Europa erwächst, wird sich zeigen. Die Richtung aber ist erkennbar: weg von der Konzentration auf wenige Standorte, hin zu einem breiteren Geflecht aus Partnern.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Branchen- und Wirtschaftsthemas und stellt keine Anlage- oder Wirtschaftsberatung dar.

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