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Bezahlen ohne Karte: Wie Wero und der digitale Euro den Zahlungsverkehr umbauen

Europäische Banken treiben mit Wero ein eigenes Bezahlsystem voran, während die EZB am digitalen Euro arbeitet. Was sich für Verbraucher ändert – und wo es noch hakt.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Bargeld, Girocard, Kreditkarte, App – die Art, wie in Deutschland bezahlt wird, ist seit Jahren in Bewegung. Anbieter aus dem Zahlungssektor verweisen gern darauf, dass sich die Erwartungen von Kundinnen, Kunden und Unternehmen an Geschwindigkeit und Komfort grundlegend verschoben hätten. Tatsächlich vollzieht sich im Hintergrund ein tiefgreifender Umbau: Mit dem Bezahldienst Wero und dem geplanten digitalen Euro entstehen zwei europäische Projekte, die das Zahlen ohne Plastikkarte und ohne große US-Anbieter ermöglichen sollen.

Wero: das Bezahlsystem der europäischen Banken

Wero ist ein gemeinschaftliches Projekt zahlreicher europäischer Banken, gebündelt in der European Payments Initiative (EPI). Nach Branchenangaben nutzen den Dienst inzwischen mehr als 50 Millionen Menschen in Europa, davon rund 6,7 Millionen in Deutschland. Mit dabei sind praktisch alle großen Bankengruppen – von Sparkassen und Volksbanken über die Deutsche Bank und die Postbank bis zu ING und Revolut. Ab Mitte 2026 sollen auch Kundinnen und Kunden der Direktbank N26 in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden Wero direkt in ihrer Banking-App nutzen können.

Im Kern funktioniert Wero zunächst wie eine Echtzeit-Überweisung zwischen Privatpersonen: Geld lässt sich per Handynummer oder QR-Code an Freunde und Familie senden, ohne Umweg über externe Dienstleister. Die Funktion ähnelt dem, was viele bislang von PayPal kennen, läuft aber direkt zwischen Bankkonten. Inzwischen ist Wero auch für Zahlungen im Online-Handel ausgerollt: Statt Kreditkartendaten einzugeben, bestätigen Kundinnen und Kunden die Zahlung – der Händler erhält das Geld sofort.

Der stationäre Handel als nächste Hürde

Der nächste große Schritt ist der Sprung an die Ladenkasse. 2026 soll das Bezahlen mit Wero auch im stationären Handel möglich werden, zunächst über QR-Codes, für die Händler kein neues Terminal benötigen. Die ursprünglich ebenfalls für 2026 geplanten kontaktlosen NFC-Zahlungen an regulären Kassenterminals wurden allerdings auf 2027 verschoben. Damit zeigt sich, wie aufwendig der Aufbau einer flächendeckenden Bezahlinfrastruktur ist – die Akzeptanz im Handel entscheidet letztlich darüber, ob ein neues System den Alltag erreicht oder eine Nischenlösung bleibt.

Der digitale Euro: Staatsgeld in digitaler Form

Parallel arbeitet die Europäische Zentralbank am digitalen Euro – einer digitalen Variante des Bargelds, herausgegeben vom Eurosystem selbst. Anders als Wero, das ein privatwirtschaftliches Angebot der Banken ist, wäre der digitale Euro öffentliches Zentralbankgeld. Zahlungen würden nicht über internationale Kartennetzwerke, sondern über eine Plattform des Europäischen Systems der Zentralbanken abgewickelt. Ein flächendeckender Start wird derzeit nicht vor 2029 erwartet; viele Detailfragen sind noch Gegenstand des europäischen Gesetzgebungsverfahrens.

Das erklärte Ziel beider Projekte ist mehr „digitale Souveränität“: Europa soll im Zahlungsverkehr unabhängiger von außereuropäischen Anbietern werden. Heute laufen viele Karten- und Online-Zahlungen über Netzwerke und Plattformen, die ihren Sitz außerhalb der EU haben – ein Umstand, der in der politischen Debatte zunehmend als strategische Verwundbarkeit gesehen wird.

Konkurrenz statt klares Nebeneinander

Interessant ist, dass sich Wero und der digitale Euro nicht zwangsläufig ergänzen, sondern teilweise ins Gehege kommen können. Beobachter aus der Finanzwirtschaft, etwa das Institut der deutschen Wirtschaft, weisen darauf hin, dass eine Online-Variante des digitalen Euro in direkte Konkurrenz zu Wero treten könnte. Der Grund: Für den digitalen Euro ist ein gesetzlicher Annahmezwang im Gespräch, während sich Wero allein am Markt behaupten muss. Ein staatlich garantiertes System hätte gegenüber einem privaten Angebot also einen strukturellen Vorteil – eine Spannung, die im weiteren Verfahren noch politisch austariert werden dürfte.

Was das für Verbraucher bedeutet

Für den Alltag heißt das zunächst: mehr Auswahl, aber auch mehr Unübersichtlichkeit. In den kommenden Jahren dürften Bezahl-Apps der eigenen Hausbank, Wero, klassische Karten und perspektivisch der digitale Euro nebeneinander existieren. Welche Lösung sich durchsetzt, hängt weniger von der Technik ab als von Akzeptanz im Handel, Bedienkomfort und Vertrauen – etwa in Fragen des Datenschutzes. Sicher ist vor allem, dass der europäische Zahlungsverkehr gerade neu sortiert wird und Karten und Bargeld nicht mehr die einzigen selbstverständlichen Optionen sein werden.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung auf Basis öffentlich verfügbarer Informationen und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar.

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