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Balkonpflanzen bei Hitze richtig gießen: So überstehen Blumen und Kräuter den Hochsommer

Morgens durchdringend gießen, Verdunstung bremsen, Bewässerungshilfen fürs Wochenende: So kommen Balkonpflanzen gut durch Hitzewellen.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wochenlange Hitze setzt Balkonpflanzen erheblich zu: Töpfe und Kästen heizen sich schneller auf als Gartenbeete, das begrenzte Substrat trocknet rasch aus, und schon ein einziger versäumter Gießtag kann Geranien, Tomaten oder Basilikum welken lassen. Mit der richtigen Gießtechnik, etwas Vorbereitung und ein paar einfachen Hilfsmitteln kommen Balkonpflanzen aber auch durch längere Hitzeperioden – sogar dann, wenn man mal ein Wochenende nicht zu Hause ist.

Der richtige Zeitpunkt: früh morgens statt mittags

Die beste Gießzeit an heißen Tagen ist der frühe Morgen. Dann ist das Substrat noch kühl, das Wasser verdunstet nicht sofort, und die Pflanzen können sich vor der Mittagshitze vollsaugen. Abendliches Gießen ist die zweitbeste Option – allerdings bleibt die Feuchtigkeit über Nacht länger stehen, was Schnecken anlockt und bei empfindlichen Pflanzen Pilzkrankheiten begünstigen kann.

Mittags zu gießen ist dagegen weitgehend verschenkt: Ein großer Teil des Wassers verdunstet, bevor er die Wurzeln erreicht. Die verbreitete Sorge, Wassertropfen würden bei Sonne wie Brenngläser wirken und Blätter verbrennen, ist zwar übertrieben – das eigentliche Problem ist schlicht die Verschwendung. Wer nur mittags Zeit hat, gießt direkt auf die Erde statt über die Blätter.

Durchdringend gießen statt häufig nippen

Wichtiger als die Häufigkeit ist die Gründlichkeit. Wer täglich nur einen kleinen Schluck gibt, befeuchtet lediglich die obere Substratschicht – die Wurzeln bleiben durstig und wachsen zudem nach oben, wo sie noch schneller austrocknen. Besser: seltener, dafür durchdringend gießen, bis Wasser unten aus dem Abzugsloch läuft. So wird der gesamte Wurzelballen versorgt.

Ein einfacher Test zeigt, ob gegossen werden muss: einen Finger etwa zwei Zentimeter tief in die Erde stecken. Ist es dort noch feucht, kann das Gießen warten. Ist das Substrat komplett ausgetrocknet und zieht Wasser nicht mehr ein (es läuft seitlich am Ballen vorbei), hilft Tauchen: den Topf so lange in einen Eimer Wasser stellen, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.

Verdunstung bremsen: Mulch, Schatten und helle Töpfe

An Hitzetagen verliert ein Balkonkasten den Großteil seines Wassers durch Verdunstung – und genau da lässt sich ansetzen. Eine Mulchschicht aus Rindenmulch, Stroh oder auch Rasenschnitt auf der Erde reduziert die Verdunstung deutlich und hält die Wurzeln kühler. Auch abgeschnittene Pflanzenreste oder Kokosmatten erfüllen den Zweck.

Dunkle Töpfe aus Metall oder schwarzem Kunststoff heizen sich in der Sonne stark auf und können die Wurzeln regelrecht kochen. Helle Gefäße, Übertöpfe oder ein einfacher Sichtschutz vor den Töpfen schaffen Abhilfe. Empfindliche Pflanzen dürfen in Extremwochen zudem umziehen: ein paar Tage im Halbschatten schaden Geranien und Co. weniger als ein Hitzeschock in praller Südlage. Wer die Möglichkeit hat, rückt Töpfe enger zusammen – die Pflanzen beschatten sich gegenseitig und schaffen ein feuchteres Kleinklima.

Bewässerungshilfen für Urlaub und Wochenende

Für kurze Abwesenheiten haben sich einfache Lösungen bewährt: Tonkegel mit aufgesetzter Wasserflasche geben Feuchtigkeit langsam ans Substrat ab, Bewässerungskugeln aus Glas funktionieren ähnlich. Auch der klassische Wollfaden- oder Dochtrick leistet gute Dienste – ein saugfähiger Streifen verbindet einen erhöht stehenden Wassereimer mit dem Topf und leitet das Wasser kontinuierlich weiter.

Wer regelmäßig verreist oder viele Pflanzen hat, kann über Kästen mit Wasserreservoir nachdenken: Sie speichern Wasser im doppelten Boden und versorgen die Pflanzen über mehrere Tage. Für größere Balkone gibt es zudem einfache Tröpfchenbewässerungen mit Zeitschaltuhr, die an den Wasserhahn oder einen Vorratsbehälter angeschlossen werden. Vor dem Urlaub lohnt ein Probelauf von zwei, drei Tagen, um die Wassermenge richtig einzustellen.

Nach der Hitzewelle: Pflanzen wieder aufpäppeln

Sehen Pflanzen nach heißen Tagen schlapp aus, ist längst nicht alles verloren. Zuerst gründlich wässern – am besten tauchen – und die Pflanze für ein bis zwei Tage in den Schatten stellen. Vertrocknete Blüten und Blätter werden abgeschnitten; das spart der Pflanze Kraft. Viele Balkonklassiker wie Petunien oder Zauberglöckchen treiben nach einem beherzten Rückschnitt sogar frischer wieder aus.

Mit dem Düngen sollte man warten, bis sich die Pflanze sichtbar erholt hat: Gestresste Wurzeln vertragen keine zusätzliche Salzfracht. Danach hilft eine maßvolle Flüssigdüngung, die verlorene Substanz wieder aufzubauen – gerade bei stark zehrenden Sommerblühern in kleinen Gefäßen.

Fazit

Balkonpflanzen kommen erstaunlich gut durch heiße Sommer, wenn man drei Dinge beherzigt: morgens und durchdringend gießen, die Verdunstung mit Mulch, hellen Töpfen und etwas Schatten bremsen und für Abwesenheiten rechtzeitig eine einfache Bewässerungshilfe einrichten. Wer zusätzlich nach Hitzephasen konsequent zurückschneidet und erst später wieder düngt, hat bis in den Herbst hinein einen grünen, blühenden Balkon – ganz ohne teure Technik.

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