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Aus Leerstand wird Mischnutzung: Wie alte Baumärkte und Kaufhäuser ein zweites Leben bekommen

Wenn großflächige Handelsimmobilien leerfallen, entstehen daraus zunehmend Multi-Use-Standorte mit Lager, Sport und Gesundheit. Eine Einordnung eines Trends, der von Strukturwandel und Förderpolitik getrieben wird.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wenn ein Baumarkt oder ein Möbelhaus schließt, bleibt oft eine besonders sperrige Hinterlassenschaft zurück: eine große, eingeschossige Halle am Stadtrand, umgeben von einem weiten Parkplatz. Für klassischen Einzelhandel ist solche Fläche immer schwerer zu vermieten. Zunehmend werden aus diesen Objekten aber keine dauerhaften Ruinen, sondern gemischt genutzte Standorte, die Lagerflächen, Sport, Gesundheit und Nachbarschaftsangebote unter einem Dach bündeln. Eine aktuelle Mitteilung eines Self-Storage-Anbieters, der eine ehemalige Baumarkt-Immobilie zu einem solchen Multi-Use-Standort entwickelt, ist nur ein Beispiel für eine Entwicklung, die sich quer durch die Republik beobachten lässt.

Warum so viel Handelsfläche frei wird

Der Hintergrund ist ein struktureller Umbruch im stationären Handel. Onlinehandel, verändertes Konsumverhalten und steigende Betriebskosten setzen großflächige Formate unter Druck. Branchenbeobachter und Immobiliengutachten gehen davon aus, dass bis Mitte der 2030er Jahre ein zweistelliger Millionenbetrag an Nonfood-Verkaufsfläche aus dem Markt verschwinden könnte. Betroffen sind nicht nur Innenstadt-Kaufhäuser, deren Schließungen in den vergangenen Jahren bundesweit Schlagzeilen machten, sondern gerade auch die großen Fachmärkte an den Ausfallstraßen. Damit stellt sich für Kommunen, Eigentümer und Investoren überall die gleiche Frage: Was passiert mit Hallen, die in ihrer ursprünglichen Funktion niemand mehr braucht?

Mischnutzung statt Monokultur

Die Antwort heißt immer häufiger Mischnutzung. Statt eine 5.000-Quadratmeter-Halle wieder an einen einzigen Mieter zu vergeben, werden die Flächen aufgeteilt: ein Teil für Self-Storage, also abschließbare Lagerabteile zur Miete; weitere Teile für Fitness- und Gesundheitsangebote, Gastronomie, Handwerksbetriebe oder Flächen für Vereine. Self-Storage gilt dabei als dankbarer Ankermieter, weil sich solche Lager vergleichsweise schnell und ohne aufwendige Umbauten in bestehende Hallenstrukturen einpassen lassen. Der deutsche Markt für Self-Storage wächst seit Jahren stetig: Branchenstudien beziffern die vermietbare Fläche für 2025 auf rund 26 Millionen Quadratmeter mit jährlichen Zuwachsraten im mittleren einstelligen Prozentbereich. Investoren schätzen die Anlageklasse laut Marktberichten als vergleichsweise krisenfest ein – ein Grund, warum die Umnutzung alter Gewerbebauten gezielt vorangetrieben wird.

Der Reiz der Mischnutzung liegt in der Risikostreuung. Fällt ein Mieter aus, trägt nicht das gesamte Objekt das Risiko. Gleichzeitig entstehen Frequenzbringer: Wer zum Training oder zum Lagerabteil kommt, nutzt vielleicht auch das Café nebenan. Für Standorte, die als reine Einzelhandelsflächen tot wären, kann so wieder ein gewisses Maß an Belebung entstehen.

Förderpolitik gibt zusätzlichen Schub

Anschub kommt auch von staatlicher Seite. Für 2026 sind Förderprogramme angekündigt, die die Umnutzung von Bestandsgewerbe erleichtern sollen, darunter zinsverbilligte Kredite für die Umwandlung leerstehender Gewerbeimmobilien sowie ein Programm zur Umwandlung von Gewerbe in Wohnraum. Solche Instrumente zielen vor allem darauf, Nutzungsänderungen wirtschaftlich attraktiver zu machen, die sonst an hohen Umbaukosten scheitern. Ob die Mittel ausreichen und wie unbürokratisch sie abgerufen werden können, wird sich allerdings erst in der Praxis zeigen müssen.

Kein Selbstläufer

Bei aller Dynamik bleibt die Umnutzung anspruchsvoll. Baurecht und Bebauungspläne sind oft auf die ursprüngliche Handelsnutzung zugeschnitten; Brandschutz, Stellplatzfragen und Lärmschutz müssen für jede neue Nutzung neu bewertet werden. Lagen am Stadtrand, die für den Autoverkehr optimiert wurden, sind nicht automatisch attraktiv für Sport- oder Freizeitangebote. Und nicht jedes Konzept trägt sich wirtschaftlich. Die Umnutzung großflächiger Handelsimmobilien ist deshalb weniger eine schnelle Lösung als ein längerer Suchprozess, in dem Eigentümer, Kommunen und Betreiber gemeinsam herausfinden müssen, was an einem konkreten Standort funktioniert. Klar ist nur: Der Strukturwandel im Handel zwingt dazu, über die Nachnutzung dieser Flächen nachzudenken – und die naheliegende Antwort ist immer seltener ein einzelner neuer Mieter.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines Branchentrends und keine Empfehlung für einzelne Anbieter oder Investitionen. Marktzahlen beruhen auf öffentlich zugänglichen Studien und Schätzungen.

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