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Abschied vom E5? Warum die Angebotspflicht an deutschen Tankstellen zur Debatte steht

Super E10 ist inzwischen in 21 europäischen Ländern erhältlich, während die E5-Pflicht fast überall gefallen ist – nur nicht in Deutschland. Die Branche drängt auf eine Öffnung, doch die Debatte hat mehr Facetten, als es zunächst scheint.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

An deutschen Tankstellen gehört die Auswahl zwischen Super E5 und Super E10 seit 2011 zum gewohnten Bild. Doch dieses Nebeneinander könnte mittelfristig zur Disposition stehen. Der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) und der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) fordern in einer aktuellen Mitteilung, die gesetzliche Pflicht zum flächendeckenden Angebot von Super E5 abzuschaffen. Der Blick ins europäische Ausland zeigt: Deutschland ist mit dieser Pflicht inzwischen ein Sonderfall.

E10 in 21 Ländern – E5 auf dem Rückzug

Nach Angaben des BDBe ist Super E10, also Benzin mit bis zu zehn Prozent Bioethanol-Beimischung, mittlerweile in 21 europäischen Ländern erhältlich – darunter Frankreich, die Niederlande, Polen, Österreich und die skandinavischen Staaten. In vielen dieser Länder wurde die formelle Angebotspflicht für die ältere Sorte E5 bereits abgeschafft oder läuft aus; begründet wird das dort in der Regel mit EU-Klimaschutzvorgaben. In Deutschland hingegen muss Super E5 weiterhin an jeder Tankstelle angeboten werden.

Genau an dieser Stelle setzen die Verbände an: Tankstellen sollten ihr Sortiment künftig selbst gestalten dürfen, argumentiert BDBe-Geschäftsführer Stefan Walter. Der frei werdende Platz an der Zapfsäule könnte demnach künftig alternativen Kraftstoffen zugutekommen – perspektivisch etwa einem Super E20 mit bis zu 20 Prozent Bioethanol-Anteil.

Der Marktanteil wächst – auch aus Preisgründen

Tatsächlich verschieben sich die Marktanteile seit Jahren in Richtung E10. Laut en2x liegt der E10-Anteil am deutschen Benzinabsatz inzwischen bei rund 35 Prozent – ein Sprung, den der Verband auch mit dem gestiegenen Kraftstoffpreisniveau infolge der Nahostkrise erklärt: Der Preisvorteil von E10 gegenüber E5, meist wenige Cent pro Liter, wird für Tankkunden schlicht attraktiver, je teurer das Tanken insgesamt wird.

Die alte Sorge, E10 könne dem Motor schaden, spielt nach Branchenangaben kaum noch eine Rolle. Eine vom en2x beauftragte Studie des Instituts für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie kommt demnach zu dem Ergebnis, dass lediglich rund 0,7 Prozent der seit 1995 zugelassenen Benziner – etwa 226.000 Fahrzeuge – Super E10 nicht uneingeschränkt vertragen. Für alle anderen gilt: Ein Blick in die Tankklappe (bei neueren Fahrzeugen) oder in die Freigabelisten der Hersteller schafft Klarheit.

Was für und was gegen das Ende der E5-Pflicht spricht

Dass ausgerechnet die Bioethanolbranche und der Kraftstoffverband das Ende der E5-Pflicht fordern, ist wenig überraschend – beide profitieren von einem wachsenden E10- und perspektivisch E20-Absatz. Die Klimabilanz-Argumente der Verbände, etwa die Angabe von über 90 Prozent CO2-Einsparung bei Bioethanol aus Reststoffen und nicht benötigten Getreidemengen, sind entsprechend als Unternehmens- beziehungsweise Verbandsangaben einzuordnen.

Kritiker von Biokraftstoffen aus Anbaubiomasse verweisen seit Jahren auf die Flächenkonkurrenz zwischen Tank und Teller sowie auf indirekte Landnutzungseffekte, die die Klimabilanz schmälern können. Auch der leicht erhöhte Verbrauch von E10 gegenüber E5 – der ADAC nannte in der Vergangenheit einen Richtwert von etwa 1,5 Prozent – relativiert den Preisvorteil ein Stück weit. Für Halter der wenigen nicht freigegebenen Altfahrzeuge wäre der Wegfall der E5-Pflicht zudem spürbar: Sie müssten auf teureres Super Plus ausweichen.

Ein Thema für die nächste Legislaturdebatte

Ob und wann der Gesetzgeber die Angebotspflicht tatsächlich öffnet, ist offen. Der Vorstoß der Verbände zeigt aber, dass die Sortenlandschaft an deutschen Tankstellen in Bewegung gerät – zwischen Klimavorgaben, Preisdruck und einer Fahrzeugflotte, die technisch längst weiter ist als die Regulierung. Wer im Sommerurlaub durch Europa fährt, erlebt die Zukunft womöglich schon an der Zapfsäule: In vielen Nachbarländern ist E5 bereits Geschichte.


Redaktionelle Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Verbandsmitteilungen (BDBe/en2x, Juli 2026). Aussagen zu Klimabilanz und Marktentwicklung geben die Einschätzungen der genannten Verbände wieder.

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