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Zwei Quantencomputer bis 2030: Wie Deutschlands Milliardenwette konkret wird

Seit Jahren fließen Milliarden in die deutsche Quantenforschung. Mit der Hightech Agenda Deutschland soll aus offener Förderung nun ein klares Ziel werden – samt Wettbewerb um die beste Hardware. Ein Blick auf eine Technologie, die noch viele Fragen offenlässt.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Von der Grundlagenforschung zur Ansage

Quantencomputer gelten seit Jahren als eine der großen Hoffnungen der Technologiebranche – und zugleich als Projektion, die viel verspricht und wenig Greifbares liefert. In Deutschland ist das Thema längst eine Sache der Förderpolitik. Seit 2017 haben Bund und Länder nach Angaben aus dem Forschungsbereich mehr als zwei Milliarden Euro in Quantentechnologien gesteckt, ein Großteil davon ins Quantencomputing. Lange folgte diese Förderung einem bewusst technologieoffenen Ansatz: Verschiedene Plattformen wurden parallel unterstützt, ohne früh auf einen Favoriten zu setzen.

Mit der „Hightech Agenda Deutschland“, die im Sommer 2025 vorgestellt wurde, verschiebt sich der Ton. Quantentechnologien zählen darin zu den priorisierten Schlüsseltechnologien. Erstmals steht ein konkretes Ziel im Raum: Bis 2030 sollen laut Bundesregierung zwei fehlerkorrigierte Quantencomputer auf europäischem Spitzenniveau realisiert werden. Das ist weniger ein Forschungsauftrag als eine politische Ansage – mit einem Datum, an dem sich Erfolg oder Misserfolg messen lassen.

Warum „fehlerkorrigiert“ der entscheidende Begriff ist

Hinter dem sperrigen Wort steckt das zentrale Problem der Branche. Heutige Quantenrechner arbeiten mit Qubits, die extrem störanfällig sind: Schon kleinste Einflüsse aus der Umgebung verfälschen Rechenergebnisse. Solange Fehler nicht zuverlässig korrigiert werden, bleiben viele praktische Anwendungen Theorie. Genau hier setzt das Ziel an. Ein „fehlerkorrigierter“ Quantencomputer wäre ein Sprung von der Demonstration im Labor hin zu einer Maschine, auf deren Ergebnisse man sich verlassen kann. Fachleute betonen seit Langem, dass dieser Schritt technologisch anspruchsvoll ist und sich nicht allein durch mehr Geld erzwingen lässt.

Ein Wettbewerb statt einer Vorentscheidung

Statt eine einzelne Bauweise vorzuschreiben, setzt das zuständige Ministerium auf Wettbewerb. Ein eigens aufgelegter Hardware-Wettbewerb soll Entwicklungsarbeiten an mehreren Technologieplattformen vorantreiben – genannt werden unter anderem neutrale Atome, supraleitende Schaltkreise und gefangene Ionen. Diese Ansätze unterscheiden sich grundlegend in Aufbau, Kühlung und Skalierbarkeit, und es ist bislang offen, welcher sich langfristig durchsetzt. Ergänzend ist von Pilot-Fertigungsinfrastrukturen die Rede, die den Weg „from Lab to Fab“ ebnen sollen – also von der Forschung in eine industrielle Produktion innerhalb eines europäischen Verbunds.

Der offene Wettbewerb hat einen nachvollziehbaren Hintergrund: Niemand kann derzeit seriös vorhersagen, welche Plattform am Ende die robusteste und wirtschaftlichste sein wird. Wer früh alles auf eine Karte setzt, riskiert, auf das falsche Pferd zu wetten. Kritisch ließe sich einwenden, dass paralleles Fördern Ressourcen streut und Tempo kostet – ein Spannungsverhältnis, das die Politik bewusst in Kauf nimmt.

Zwischen Aufbruch und Erwartungsmanagement

Im Mai 2026 hat das Bundeskabinett erste Roadmaps der Hightech Agenda vorgelegt und damit Absichten in einen Fahrplan überführt. Für das laufende Förderprogramm sind nach Angaben des Forschungsministeriums Mittel in Milliardenhöhe vorgesehen. Ob daraus tatsächlich zwei einsatzfähige Maschinen bis 2030 werden, lässt sich heute nicht vorhersagen – die Geschichte der Quantenforschung ist reich an verschobenen Zeitplänen.

Bemerkenswert ist dennoch der Strategiewechsel: weg von der reinen Grundlagenförderung, hin zu einem definierten Ziel mit Datum und Wettbewerb. Für den Standort Deutschland geht es dabei um mehr als eine einzelne Maschine. Es geht um die Frage, ob aus jahrelanger Forschung eine industrielle Wertschöpfung entsteht – oder ob am Ende vor allem das Wissen exportiert wird, während die Anwendung anderswo stattfindet.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines technologiepolitischen Themas und keine Bewertung einzelner Forschungsprojekte oder Unternehmen.

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