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Vom Labor in den Markt: Warum Deutschland um seine Ausgründungen ringt

Eine Stiftung stockt ihre Millionenförderung für den Sprung aus dem Hörsaal in die Firma auf. Dahinter steht ein hartnäckiges Problem des Forschungsstandorts: Zwischen kluger Idee und marktreifem Produkt klafft eine Lücke, an der viele wissenschaftliche Gründungen scheitern.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Wenn eine Forschungsstiftung Geld in die Hand nimmt, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Unternehmern zu machen, ist das für sich genommen keine Nachricht. Interessant wird es durch den Betrag und die Begründung: Die Carl-Zeiss-Stiftung will nach eigenen Angaben in den kommenden drei Jahren rund 14 Millionen Euro zusätzlich in den Technologietransfer stecken – also in genau jene Phase, in der aus einem Laborergebnis ein verkäufliches Produkt werden soll. Kern des Ansatzes sind ein Programm für Gründungsteams aus der Wissenschaft und ein Zusatzmodul, mit dem bestehende Forschungsprojekte ihre Ergebnisse marktnäher weiterentwickeln können. Der Fall ist ein Aufhänger für eine Debatte, die den deutschen Innovationsstandort seit Jahren begleitet.

Die Lücke zwischen Idee und Markt

Deutschland forscht viel und erfolgreich. Doch der Weg von der Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift bis zur gegründeten Firma ist lang und mit Hürden gepflastert. Fachleute sprechen vom „Tal des Todes" – der Zone zwischen abgeschlossener Grundlagenforschung und einem Produkt, das Investoren überzeugt. In dieser Phase fehlt es oft am Geld, an unternehmerischer Erfahrung und an klaren Regeln, wem die Erfindung eigentlich gehört. Wer aus einer Hochschule heraus gründet, muss nicht nur ein Geschäftsmodell entwickeln, sondern auch Fragen zu Patenten, Nutzungsrechten und Beteiligungen der Universität klären – ein Verhandlungsprozess, der sich über Monate ziehen kann.

Dass hier etwas hakt, zeigen aktuelle Zahlen. Der Gründungsradar, der das Gründungsgeschehen an deutschen Hochschulen erfasst, weist für 2025 aus, dass der Anteil der Gründungsvorhaben mit Technologietransfer gesunken ist – auf gut 40 Prozent. Vorhaben, die auf konkreten Schutzrechten wie Patenten beruhen, verharren demnach bei rund sechs Prozent. Anders gesagt: Ein großer Teil dessen, was an Hochschulen gegründet wird, schöpft das Potenzial der eigenen Forschung nicht voll aus.

Warum der Transfer als Standortfrage gilt

Für die Politik ist das mehr als eine akademische Statistik. Ausgründungen – im Fachjargon Spin-offs – gelten als eine der wichtigsten Brücken, über die öffentlich finanzierte Forschung in Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technologische Souveränität übersetzt wird. Gerade bei sogenannten DeepTech-Themen wie Halbleitern, Quantentechnologie, neuen Materialien oder Medizintechnik entscheidet sich hier, ob eine Erfindung im Land bleibt oder ihre kommerzielle Reife anderswo erreicht. Der Stifterverband, ein Zusammenschluss der Wirtschaft zur Förderung von Wissenschaft, arbeitet seit Längerem daran, forschungsbasierte Gründungen zahlreicher und besser finanzierbar zu machen.

Auch an den Rahmenbedingungen wird geschraubt. Mit dem German Spin-Off Framework hat sich nach Angaben der Beteiligten ein Bündnis von mehr als 40 Organisationen zusammengetan, das Ausgründungen schneller, transparenter und investorenfreundlicher gestalten will – vor allem, indem die zähen Verhandlungen über geistiges Eigentum standardisiert werden. Parallel wurde 2025 auf nationaler Ebene über eine Strategie zum Umgang mit Schutzrechten diskutiert. Die Stoßrichtung ist überall dieselbe: weniger Reibung, mehr Tempo.

Geld allein löst das Problem nicht

Ob zusätzliche Fördermillionen und neue Regelwerke die Lücke schließen, ist damit nicht ausgemacht. Kritiker verweisen darauf, dass Deutschland an vielen Stellen nicht an guten Ideen mangelt, sondern an dem, was danach kommt: geduldiges Wachstumskapital, eine Kultur, die Scheitern nicht als Karriereende wertet, und Forschende, die den Schritt in die Selbstständigkeit überhaupt wagen wollen. Regionale Ökosysteme, in denen Hochschulen, Kapitalgeber und erfahrene Gründer eng zusammenarbeiten, gelten als ein Schlüssel – Modelle dafür entstehen derzeit an mehreren Standorten.

Die Aufstockung einer einzelnen Stiftung ändert an diesem großen Bild wenig. Sie ist aber ein Signal, dass der Engpass erkannt ist. Wie viele der geförderten Teams am Ende tatsächlich ein Unternehmen tragen, das den Markt erreicht, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Genau daran aber bemisst sich, ob aus der deutschen Forschungsstärke auch wirtschaftliche Stärke wird.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines Branchentrends und keine Empfehlung für einzelne Programme, Anbieter oder Anlageentscheidungen.