Digitales

Treffen statt Timeline: Warum neue Freizeit-Plattformen auf Werbefreiheit setzen

Kostenlos, werbefrei und ohne Datenverkauf: Eine Reihe kleiner Plattformen will Menschen für gemeinsame Freizeit zusammenbringen – als Gegenentwurf zu den großen sozialen Netzwerken. Ob das Modell trägt, ist die eigentliche Frage.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Wer am Wochenende spontan wandern, kochen oder Federball spielen möchte, aber niemanden zur Hand hat, landet schnell in einer der großen Plattformen für Gruppen und Events. Gegen dieses Feld positioniert sich derzeit eine Reihe kleinerer Anbieter mit einem auffällig gleichlautenden Versprechen: dauerhaft kostenlos, ohne Werbung und ohne Weiterverkauf der Nutzerdaten. Der Trend ist klein, aber er sagt einiges darüber, wie sich das Verhältnis vieler Menschen zu sozialen Netzwerken verschoben hat.

Ein Versprechen gegen die Aufmerksamkeitsökonomie

Die neuen Freizeit-Communitys grenzen sich bewusst vom Geschäftsmodell der großen Netzwerke ab. Statt Nutzer möglichst lange in einer endlosen Timeline zu halten, wollen sie – so die Selbstbeschreibung mehrerer Anbieter – reale Treffen ermöglichen und danach eher aus der Aufmerksamkeit verschwinden. Funktionen wie ein „Spontan-Radar" oder ein „Jetzt-Modus", die kurzfristig Interessierte in der Nähe zusammenbringen, sollen die Hürde zwischen Idee und tatsächlichem Treffen senken.

Dahinter steckt eine Kritik, die längst über Fachkreise hinausreicht: Viele Nutzer empfinden algorithmisch sortierte Feeds, personalisierte Werbung und die stille Verwertung ihrer Daten als ermüdend. Studien zur Mediennutzung zeigen seit Jahren ein wachsendes Unbehagen gegenüber der sogenannten Aufmerksamkeitsökonomie. Werbefreiheit und Datensparsamkeit sind für die kleinen Plattformen daher nicht nur ein technisches Detail, sondern das zentrale Verkaufsargument – auch wenn dabei nichts verkauft werden soll.

Die offene Frage der Finanzierung

Genau hier liegt allerdings die Schwachstelle des Modells. Wer auf Werbung und Datenhandel verzichtet, muss den Betrieb anders finanzieren. Server, Entwicklung und Moderation kosten Geld, und die Geschichte des Internets ist voll von kostenlosen Diensten, die entweder eingestellt wurden oder später doch Werbung, Abo-Schranken oder Datenauswertung einführten. Nutzer solcher Angebote sollten daher realistisch bleiben: Ein werbefreier Start ist noch keine Garantie für dauerhafte Werbefreiheit.

Denkbare tragfähige Wege gibt es durchaus – freiwillige Spenden, kostenpflichtige Zusatzfunktionen, gemeinnützige Trägerschaften oder Fördermodelle. Ob ein einzelner Anbieter davon lebt, lässt sich von außen kaum beurteilen und sollte nicht allein anhand von Ankündigungen bewertet werden. Für den Trend insgesamt gilt: Nachhaltig wird werbefreie Software nur, wenn ihre Finanzierung transparent und belastbar ist. Angaben dazu, wie sich eine Plattform trägt, sind deshalb ein sinnvolleres Prüfkriterium als das Werbeversprechen selbst.

Was Nutzer prüfen können

Auch ein datensparsames Angebot ist nicht automatisch unbedenklich. Wer sich anmeldet, sollte einen Blick in die Datenschutzerklärung werfen: Welche Daten werden erhoben, wo liegen die Server, und was passiert mit dem Profil bei einer Löschung? Bei Plattformen, die reale Treffen vermitteln, kommt der Umgang mit Standort- und Kontaktdaten hinzu – gerade der „Radar"-Logik liegt zwangsläufig eine Ortung zugrunde. Seriosität zeigt sich weniger im Marketing als in nachvollziehbaren Angaben zu Betreiber, Sitz und Datenverarbeitung.

Unabhängig vom Erfolg einzelner Namen trifft der Trend einen realen Nerv. Das Bedürfnis nach unkomplizierten Begegnungen abseits durchkommerzialisierter Netzwerke ist echt, ebenso die Skepsis gegenüber Geschäftsmodellen, die auf Daten beruhen. Ob die kleinen, werbefreien Plattformen dieses Bedürfnis dauerhaft bedienen können, wird sich weniger an ihren Idealen entscheiden als an der schlichten Frage, wie sie die Rechnung bezahlen.


Dieser Beitrag ordnet einen Digitaltrend redaktionell ein und bewirbt keine einzelne Plattform. Angaben der Anbieter zu Werbefreiheit und Datenverarbeitung geben deren Selbstdarstellung wieder.