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Strom, Wärme und das Auto aus einem Guss: Warum Gebäude ihre Energie künftig gemeinsam steuern

Solarstrom, Wärmepumpe, Speicher und Ladepunkt aufeinander abgestimmt: Wie Sektorkopplung und lernende Energiemanagementsysteme Gebäude effizienter machen.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

In vielen Gebäuden arbeiten die Energiebereiche bis heute nebeneinanderher: Die Heizung folgt ihrer eigenen Logik, die Photovoltaikanlage speist ein, wenn die Sonne scheint, und die Wallbox lädt das Elektroauto, sobald es angesteckt wird. Jeder Teil für sich funktioniert – aber das Zusammenspiel bleibt oft dem Zufall überlassen. Genau hier setzt ein Forschungs- und Entwicklungstrend an, der unter dem Begriff Sektorkopplung firmiert und zunehmend auch einzelne Liegenschaften erreicht.

Was Sektorkopplung im Gebäude bedeutet

Sektorkopplung beschreibt die Verknüpfung der bislang getrennten Bereiche Strom, Wärme und Mobilität zu einem gemeinsam betrachteten System. Im Großen geht es dabei um die Frage, wie überschüssiger Ökostrom in Wärme, Gas oder Kraftstoffe umgewandelt und damit nutzbar gemacht werden kann. Im Kleinen, also auf Ebene eines Wohnhauses, eines Betriebs oder eines Quartiers, bedeutet es: Solarstrom, Wärmepumpe, Speicher und Ladepunkt werden nicht mehr isoliert betrieben, sondern aufeinander abgestimmt. Ein intelligentes Energiemanagementsystem entscheidet dann, ob der eigene Strom besser ins Auto, in den Wärmespeicher oder in die Batterie fließen sollte.

Vom starren Regelwerk zur lernenden Steuerung

Bisher beruhen viele Energiemanagementsysteme auf festen Regeln: Bestimmte Schwellenwerte lösen bestimmte Schaltvorgänge aus. Forschungsprojekte – etwa am Umwelt-Campus Birkenfeld – arbeiten daran, diese starren Vorgaben durch modell- und datenbasierte Verfahren zu ersetzen. Die Idee dahinter: Ein System, das Wetterprognosen, Strompreise, Nutzungsgewohnheiten und den Zustand der Speicher gemeinsam auswertet, kann vorausschauend planen, statt nur zu reagieren. Methoden aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz spielen dabei eine wachsende Rolle, weil die Zahl der Einflussgrößen und ihre Wechselwirkungen für klassische Regelwerke schnell unübersichtlich werden.

Warum sich der Aufwand rechnen kann

Der Reiz der gekoppelten Steuerung liegt darin, vorhandene Energie besser auszunutzen, statt teuer zugekaufte Spitzenlast zu bezahlen oder selbst erzeugten Strom unter Wert ins Netz abzugeben. Wird das Elektroauto bevorzugt dann geladen, wenn die eigene Anlage Überschuss produziert oder der Netzstrom günstig ist, sinken die Kosten. Wärmepumpen und Pufferspeicher lassen sich als flexible Verbraucher nutzen, die Energie dann aufnehmen, wenn sie reichlich vorhanden ist. In der Summe verspricht das nicht nur niedrigere Rechnungen, sondern auch eine Entlastung der Stromnetze, die mit dem Ausbau von Wärmepumpen und E-Mobilität an vielen Stellen unter Druck geraten.

Hürden auf dem Weg in die Breite

Bis solche Systeme zum Standard werden, sind allerdings noch praktische Fragen zu klären. Geräte unterschiedlicher Hersteller müssen miteinander kommunizieren, was an uneinheitlichen Schnittstellen scheitern kann. Datenschutz und Datensicherheit gewinnen an Bedeutung, sobald detaillierte Verbrauchsprofile entstehen. Und nicht zuletzt braucht es eine gewisse Investitionsbereitschaft sowie verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen, damit sich die Anschaffung lohnt. Vieles, was heute in Forschungsprojekten erprobt wird, ist daher noch nicht ohne Weiteres auf jeden Altbau übertragbar.

Ein Trend mit langem Atem

Dennoch zeichnet sich eine Richtung ab: Energie wird im Gebäude zunehmend als zusammenhängendes System gedacht, nicht als Summe einzelner Geräte. Für Eigentümer, Betriebe und Kommunen dürfte die Frage, wie Strom, Wärme und Mobilität intelligent verknüpft werden, in den kommenden Jahren an Gewicht gewinnen. Die Technik dafür reift gerade in Laboren und Pilotanlagen heran – der Schritt vom Forschungsprojekt zum Alltagsprodukt ist bereits in vollem Gange.


Dieser Beitrag ordnet einen aktuellen Technologie- und Forschungstrend redaktionell ein und stellt keine technische oder energiewirtschaftliche Beratung dar.

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