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Steuerung, Sicherheit und KI auf einem Gerät: Warum die Industrie auf konsolidierte Plattformen setzt

Echtzeitsteuerung, funktionale Sicherheit und KI wandern in der Industrie auf eine gemeinsame Plattform. Was hinter dem Trend steckt – und wo die Hürden liegen.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

In der industriellen Automatisierung galt lange ein einfaches Prinzip: Für jede Aufgabe das passende Gerät. Eine Steuerung übernahm die Maschinenlogik, ein separater Sicherheitsbaustein wachte über kritische Funktionen, und rechenintensive Aufgaben wie Bildverarbeitung liefen auf eigener Hardware. Dieses Nebeneinander wird zunehmend hinterfragt. Ein Trend zeichnet sich ab, bei dem Echtzeitsteuerung, funktionale Sicherheit und künstliche Intelligenz auf einer einzigen Plattform zusammenwachsen.

Was funktionale Sicherheit bedeutet

Funktionale Sicherheit beschreibt jenen Teil der Anlagensteuerung, der dafür sorgt, dass eine Maschine im Fehlerfall in einen sicheren Zustand übergeht – etwa wenn ein Not-Halt ausgelöst wird oder ein Schutzgitter geöffnet ist. Im weit verbreiteten Kommunikationsstandard EtherCAT übernimmt dies das Protokoll „Safety over EtherCAT“ (FSoE). Es ist darauf ausgelegt, hohe Sicherheitsanforderungen bis zur Stufe SIL 3 zu erfüllen, und lässt sich sowohl für zentrale als auch dezentrale Sicherheitskonzepte einsetzen. Solche Standards sind die Grundlage dafür, dass sicherheitsrelevante Signale auch über dasselbe Netzwerk laufen können, das die übrige Maschinenkommunikation abwickelt.

Der Reiz der einen Plattform

Neu ist die Idee, diese Sicherheitsfunktionen mit KI-fähiger Rechenleistung auf einer gemeinsamen Hardware zu bündeln. Anbieter aus dem Automatisierungsumfeld zeigen inzwischen Lösungen, bei denen ein vollständiger EtherCAT-Controller samt funktionaler Sicherheit auf einer leistungsstarken Edge-Plattform läuft, die zugleich Roboter- und KI-Aufgaben bewältigt. Laut Anbieterangaben kann ein und dasselbe Gerät damit die Echtzeitkommunikation zum Maschinennetzwerk steuern und parallel KI- sowie Robotik-Workloads ausführen.

Der versprochene Vorteil liegt auf der Hand: weniger Hardware, weniger Verkabelung, geringerer Integrationsaufwand. Gerade bei komplexen Anwendungen wie kollaborierenden Robotern oder humanoiden Maschinen, bei denen Wahrnehmung, Bewegungsplanung und sichere Steuerung eng ineinandergreifen, erscheint eine konsolidierte Plattform attraktiv. Statt Daten zwischen mehreren Geräten hin- und herzureichen, lägen Steuerung und Intelligenz dicht beieinander – das kann Reaktionszeiten verkürzen und den Aufbau vereinfachen.

Wo die Herausforderungen liegen

So überzeugend das Konzept klingt, es bringt anspruchsvolle Fragen mit sich. Funktionale Sicherheit lebt von Nachweisbarkeit: Hersteller müssen zertifizieren und dokumentieren, dass die sicheren Funktionen unter allen Umständen zuverlässig arbeiten. Wenn auf derselben Hardware zugleich KI-Modelle laufen, deren Verhalten schwerer vorhersehbar ist, muss klar getrennt und belegt sein, dass die unkritischen Rechenlasten die sicherheitsrelevanten Funktionen nicht beeinträchtigen. Diese saubere Abgrenzung – in der Fachsprache „Freedom from Interference“ – ist technisch und regulatorisch der entscheidende Punkt.

Hinzu kommt, dass leistungsfähige Edge-Plattformen oft auf modernen, komplexen Prozessoren basieren. Für die klassische Maschinensteuerung ist Robustheit und Determinismus über viele Jahre gefragt, während die KI-Welt von schnellen Hardware-Generationswechseln lebt. Beide Zyklen unter einen Hut zu bringen, ist eine Aufgabe, die Hersteller wie Betreiber gleichermaßen beschäftigt.

Ein Baustein der Fabrik von morgen

Die Konsolidierung von Steuerung, Sicherheit und KI ist daher weniger eine fertige Antwort als ein Richtungswechsel. Sie passt zu einem größeren Bild, in dem Fabriken flexibler, datengetriebener und stärker auf autonome Systeme ausgerichtet werden. Ob sich integrierte Plattformen breit durchsetzen, wird davon abhängen, wie überzeugend sich Sicherheit und KI auf derselben Hardware nachweisbar voneinander entkoppeln lassen – und wie gut die Werkzeuge werden, mit denen Ingenieurinnen und Ingenieure solche Systeme zertifizieren. Klar ist: Der Weg führt weg vom Gerätezoo und hin zu Plattformen, die mehrere Welten in sich vereinen.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Branchentrends und stellt keine Empfehlung für einzelne Produkte oder Anbieter dar.

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