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Software sucht neues Zuhause: Was die CrossTalk-Übergabe über den RFID-Markt verrät

Kathrein Solutions gibt seine RFID-Software CrossTalk an den Entwicklungspartner IoT Invent ab. Der Vorgang wirkt unspektakulär – und zeigt doch, wie sich der Markt für industrielle Track-and-Trace-Technik neu sortiert.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Zum 1. Juli 2026 hat die Kathrein Solutions GmbH ihre RFID-Software-Suite CrossTalk an die IoT Invent GmbH aus Ismaning bei München übertragen. Für Außenstehende klingt das nach einer Randnotiz aus der Welt der Industrie-IT. Tatsächlich steckt in dem Vorgang aber ein Muster, das sich derzeit an vielen Stellen der Automatisierungsbranche beobachten lässt: Hardware und Software, lange aus einer Hand angeboten, gehen zunehmend getrennte Wege.

Was übergeben wird – und warum

CrossTalk ist eine sogenannte Middleware: eine Software-Schicht, die zwischen RFID-Lesegeräten und den Geschäftssystemen eines Unternehmens sitzt. Sie sammelt die Rohdaten der Funketiketten ein, filtert und übersetzt sie und reicht sie an Warenwirtschaft, Lagerverwaltung oder ERP-System weiter. Ohne eine solche Vermittlungsschicht bleiben RFID-Lesungen ein unstrukturierter Datenstrom, mit dem kein SAP-System etwas anfangen kann.

Nach Unternehmensangaben ist die Übergabe Teil einer strategischen Neuausrichtung: Kathrein Solutions, hervorgegangen aus dem traditionsreichen Rosenheimer Antennenhersteller Kathrein, will sich stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren – Lesegeräte, Antennen und hardwarenahe Lösungen. Die Software wandert dorthin, wo sie ursprünglich entstanden ist: IoT Invent hatte CrossTalk einst entwickelt und die Plattform über Jahre als Entwicklungspartner von Kathrein weiter betreut. Bestandskunden sollen laut beiden Unternehmen in enger Abstimmung überführt werden, Wartung und Support weiterlaufen.

Die Entflechtung eines Marktes

Interessant ist der Vorgang vor allem als Symptom. Der RFID-Markt war lange von Anbietern geprägt, die möglichst viel aus einer Hand liefern wollten: Etiketten, Lesegeräte, Software, Integration. Dieses Modell stößt an Grenzen, denn die Anforderungen driften auseinander. Auf der Hardware-Seite entscheiden Funkphysik, Fertigungsqualität und Zulassungen; auf der Software-Seite dagegen Release-Zyklen, Cloud-Anbindung und die Integration in immer heterogenere IT-Landschaften. Wer beides ernsthaft betreiben will, führt faktisch zwei Unternehmen mit unterschiedlichen Taktraten unter einem Dach.

Die Konsequenz: Spezialisierung. Hardware-Hersteller konzentrieren sich auf Geräte und offene Schnittstellen, während unabhängige Software-Häuser die Datenebene übernehmen – und dabei idealerweise Lesegeräte verschiedener Hersteller unterstützen. Für Anwender kann das ein Vorteil sein, weil es die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter verringert. Es verlangt ihnen aber auch mehr Koordination ab, wenn im Störungsfall zwei Ansprechpartner statt einem am Tisch sitzen.

Warum das Thema an Bedeutung gewinnt

RFID galt lange als ewige Zukunftstechnologie, deren Durchbruch stets bevorstand. Inzwischen ist die Technik in vielen Branchen unauffällig zum Standard geworden: Modehändler inventarisieren ihre Filialen per Funketikett, die Industrie verfolgt Ladungsträger und Werkzeuge, Logistiker automatisieren Wareneingänge. Mit der EU-weit diskutierten Rückverfolgbarkeit von Produkten – Stichwort digitaler Produktpass – dürfte der Bedarf an zuverlässiger Erfassungsinfrastruktur weiter steigen.

Gerade für mittelständische Anwender rückt damit die Frage in den Vordergrund, die bei der Anschaffung gern übersehen wird: Nicht das Lesegerät ist auf Dauer der kritische Baustein, sondern die Software, die seine Daten verarbeitet. Geräte lassen sich austauschen; eine tief in die Prozesse integrierte Middleware dagegen nur mit erheblichem Aufwand. Wer heute in RFID-Projekte investiert, tut deshalb gut daran, die langfristige Betreuung der Software-Ebene vertraglich abzusichern – unabhängig davon, welches Logo auf der Antenne klebt.

Die CrossTalk-Übergabe zeigt dabei auch die freundliche Variante eines solchen Übergangs: Die Plattform geht nicht an einen anonymen Finanzinvestor, sondern an das Team, das sie entwickelt hat. Ob das Modell der klaren Arbeitsteilung – hier Funktechnik, dort Datenplattform – zum Branchenstandard wird, bleibt abzuwarten. Die Richtung aber scheint gesetzt.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Unternehmensmeldungen und Marktbeobachtungen.

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