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Schaltung und Motor aus einem Guss: Warum Motor-Getriebe-Einheiten das E-Bike verändern

Kettenschaltung, Nabenschaltung – und jetzt die dritte Option: Beim E-Bike wandert die Gangschaltung zunehmend direkt ins Motorgehäuse. Was hinter dem Trend zu Motor-Getriebe-Einheiten steckt und für wen sich das Konzept lohnt.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Jahrzehntelang gab es beim Fahrrad zwei Welten: die Kettenschaltung mit ihrem filigranen Schaltwerk am Hinterrad und die geschlossene Nabenschaltung. Mit dem E-Bike ist eine dritte Bauform hinzugekommen, die beide Fragen – wie wird angetrieben, wie wird geschaltet – in einem einzigen Bauteil beantwortet: die Motor-Getriebe-Einheit. Dass das Konzept im Markt ankommt, zeigt sich daran, dass inzwischen auch kleinere deutsche Hersteller darauf setzen – jüngst etwa die schwäbische Manufaktur Cheetah Bikes, die laut einer aktuellen Mitteilung ihre neue Modellgeneration um die Pinion MGU herum aufbaut.

Was eine Motor-Getriebe-Einheit anders macht

Bei klassischen E-Bikes sitzt der Mittelmotor am Tretlager, geschaltet wird weiterhin über Kettenschaltung oder Getriebenabe – zwei getrennte Systeme mit getrenntem Verschleiß. Eine Motor-Getriebe-Einheit wie die MGU des baden-württembergischen Getriebespezialisten Pinion integriert dagegen Elektromotor und Schaltgetriebe in einem gemeinsamen, geschlossenen Gehäuse am Tretlager. Das Schaltwerk am Hinterrad entfällt komplett; die Kraft wird meist über einen Zahnriemen statt einer Kette ans Hinterrad übertragen.

Die Argumente für diese Bauweise liegen auf der Hand: Ein gekapseltes Getriebe ist vor Schmutz, Nässe und Stößen geschützt, ein Riemen muss weder geölt noch regelmäßig gewechselt werden. Hersteller sprechen deshalb gern von „nahezu wartungsfreien" Antrieben – eine Formulierung, die man als deutlich reduzierten, nicht als verschwundenen Wartungsbedarf lesen sollte. Auch das abrissgefährdete Schaltauge, ein klassischer Schwachpunkt bei Stürzen und beim Transport, existiert bei dieser Architektur schlicht nicht mehr. Zudem lässt sich im Stand schalten, was im Stadtverkehr an der Ampel praktisch ist.

Die Kehrseite: Gewicht, Preis, Bindung

Kritiklos ist das Konzept nicht. Getriebe im Tretlagerbereich bauen schwerer als eine Kettenschaltung, und der Wirkungsgrad eines Zahnradgetriebes liegt systembedingt etwas unter dem einer frisch gewarteten Kette. Beim E-Bike relativiert der Motor beides, doch der Preis bleibt ein Faktor: Räder mit Motor-Getriebe-Einheit und Riemenantrieb sind in der Regel im Premiumsegment angesiedelt. Hinzu kommt eine stärkere Bindung an den Systemanbieter – wer ein integriertes Gesamtsystem kauft, kauft auch dessen Ersatzteil- und Service-Ökosystem. Für Vielfahrer, Pendler und Reiseradler kann die Rechnung über die Jahre dennoch aufgehen, weil Verschleißteile wie Kette, Ritzel und Schaltwerk entfallen.

Vom Nischenprodukt zum Baukasten für Hersteller

Interessant ist der Trend vor allem aus Herstellersicht. Große Marken wie kleine Manufakturen können mit einer fertigen Motor-Getriebe-Einheit ein technisch komplexes Antriebssystem zukaufen und sich auf Rahmenbau und Ausstattung konzentrieren. Cheetah Bikes etwa kombiniert die Einheit nach eigenen Angaben mit einem Gates-Riemenantrieb, bietet zwei Getriebevarianten mit neun oder zwölf Gängen an und differenziert sich stattdessen über Konfigurierbarkeit – bis hin zur freien Farbwahl aus über 150 RAL-Tönen. Ähnliche Muster zeigen sich seit Jahren bei anderen kleinen Herstellern, die Pinion-Getriebe schon vor der Motorintegration in Reise- und Lastenrädern verbauten.

Für den Markt bedeutet das eine wachsende Vielfalt an Antriebskonzepten: Kettenschaltung für sportliche Leichtbauten, Nabenschaltung fürs Alltagsrad, Motor-Getriebe-Einheit für alle, die maximale Wartungsarmut suchen und dafür Aufpreis und Mehrgewicht akzeptieren. Welche Bauform sich langfristig in welchem Segment durchsetzt, ist offen – sicher ist nur, dass die Zeiten, in denen ein E-Bike einfach ein Fahrrad mit angeflanschtem Motor war, zu Ende gehen. Der Antrieb wird zunehmend als Gesamtsystem gedacht.


Redaktionelle Einordnung eines Branchentrends. Produktangaben beruhen auf Herstellerinformationen (u. a. via openPR.de) und wurden nicht unabhängig getestet.

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