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Reisen mit dem Schotterrad: Warum Gravelbikes das Bikepacking aus der Nische holen

Reiseveranstalter legen eigene Gravelbike-Programme auf. Dahinter steht ein Trend, der das Radreisen zwischen Rennrad und Mountainbike neu sortiert – und den Handel verändert.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Dass ein Reisebüro eine eigene Kategorie für „Gravelbike-Reisen“ ins Programm nimmt, wäre vor wenigen Jahren eine Randnotiz gewesen. Heute ist es ein Signal: Das Reisen mit dem Schotterrad hat den Sprung von der Enthusiasten-Szene in den organisierten Tourismus geschafft. Was als Mischung aus Rennrad und Geländemaschine begann, wird zunehmend zum eigenständigen Reiseformat – mit Auswirkungen auf Handel, Ausrüstungshersteller und ganze Regionen.

Was das Gravelbike überhaupt ist

Ein Gravelbike ähnelt auf den ersten Blick einem Rennrad, ist aber für unbefestigte Wege gebaut: breitere Reifen, eine entspanntere Sitzposition, robustere Rahmen und meist zahlreiche Befestigungspunkte für Taschen. Genau diese Vielseitigkeit macht es zum Reisegefährt. Wo Rennradfahrer auf Asphalt angewiesen sind und Mountainbiker für weite Strecken oft zu schwer und langsam unterwegs sind, besetzt das Schotterrad einen Zwischenraum – Feldwege, Forststraßen, alte Bahntrassen und Schotterpisten inklusive.

Damit verbunden ist das sogenannte Bikepacking: mehrtägige Radreisen, bei denen das Gepäck in kompakten Taschen direkt am Rahmen, unter dem Sattel und am Lenker verstaut wird, statt in klassischen Packtaschen auf einem Gepäckträger. Das Rad bleibt schmal und wendig, die Ausrüstung reduziert sich auf das Nötigste. Fachpublikationen beschreiben Bikepacking für 2026 als das, was Gravel um 2023 war: eine Subkultur, die gerade die Nische verlässt.

Ein Trend mit belastbaren Zahlen

Der Eindruck lässt sich an Marktdaten festmachen. Nach Branchenangaben stellten Gravelbikes 2024 rund 6,5 Prozent des Absatzes bei den einzelnen Fahrradkategorien – und lagen damit vor Rennrädern und klassischen Mountainbikes. Im Bikepacking-Segment dominieren sie ohnehin und machen dort über die Hälfte der genutzten Modelle aus. Händler in Städten wie München, Hamburg und Wien berichten, dass Bikepacking-Taschen zu den am schnellsten wachsenden Produktgruppen zählen. Solche Angaben stammen überwiegend aus der Branche selbst und sind als Indiz, nicht als amtliche Statistik zu lesen – die Richtung aber ist über mehrere Quellen hinweg konsistent.

Auch der Tourismus reagiert. In einzelnen Bundesländern wird Gravel inzwischen ausdrücklich als wachsender Faktor im Radtourismus geführt, samt ausgeschilderter Routen und dokumentierter Download-Zahlen für GPS-Tracks. Reiseanbieter, Campingplätze und Regionen positionieren sich mit passenden Angeboten – vom geführten Wochenende bis zur mehrtägigen Selbstversorger-Tour.

Warum das Format gerade jetzt zieht

Mehrere Entwicklungen treffen zusammen. Zum einen der Wunsch nach naturnahen, planbaren Reisen ohne Flug – eine Radtour vor der eigenen Haustür ist genau das. Zum anderen die Ausrüstung: Taschen lassen sich heute werkzeuglos und stabil am Rahmen befestigen, was den Einstieg erleichtert. Interessant ist eine Gegenbewegung, die einige Reiseradler beschreiben – zurück zum Gepäckträger, weil er mehr Stauraum und Stabilität bietet als reine Rahmentaschen. Der „richtige“ Aufbau ist also keineswegs entschieden, und genau diese Offenheit hält die Szene in Bewegung.

Für Regionen abseits der klassischen Tourismusmagneten liegt darin eine Chance: Wer Feldwege, stillgelegte Bahntrassen und ruhige Nebenstrecken zu Routen bündelt, erreicht eine Zielgruppe, die bewusst das Unspektakuläre sucht. Ob aus dem aktuellen Boom ein dauerhaftes Segment wird oder ob sich die Aufmerksamkeit wie bei früheren Fahrradmoden wieder verschiebt, wird sich zeigen. Die Kombination aus Alltagstauglichkeit, überschaubaren Kosten und dem Reiz des Selbstorganisierten spricht jedoch dafür, dass das Schotterrad mehr ist als eine Saisonerscheinung.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines Branchentrends und keine Kaufberatung oder Werbung für einzelne Anbieter. Marktzahlen beruhen überwiegend auf Angaben aus der Fahrradbranche.

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