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Leitstelle im Container: Wie Siegen den Drohnenverkehr über der Stadt ordnen will

Die Universität Siegen erhält knapp eine Million Euro Förderung, um eine mobile Leitstelle für städtische Drohnenlogistik zu entwickeln. Das Projekt CODROMO soll zeigen, wie Transportdrohnen verschiedener Betreiber kollisionsfrei koordiniert werden können.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wenn heute eine Lieferdrohne über eine deutsche Stadt fliegt, ist sie meist allein unterwegs. Doch was passiert, wenn in ein paar Jahren mehrere Betreiber gleichzeitig Ersatzteile, Laborproben und Medikamente durch die Luft transportieren – und dazwischen auch noch ein Rettungshubschrauber landen muss? Genau an dieser Frage arbeitet die Universität Siegen: Das im Mai 2026 gestartete Forschungsprojekt CODROMO („Cooperative Drone Mobility") wird vom nordrhein-westfälischen Verkehrsministerium mit knapp einer Million Euro gefördert und soll eine übertragbare Infrastruktur für koordinierte Drohnenlogistik im Stadtgebiet entwickeln.

Ein Container als Verkehrsturm für Drohnen

Kernstück des Vorhabens ist eine mobile Leitstelle in einem Container, der kompakt genug ist, um per Lkw transportiert zu werden. Für die Dauer der Forschung soll er in der Nähe des Siegener Campus „Unteres Schloss" stehen – auf Wunsch des Ministeriums bewusst gut sichtbar, damit die Bevölkerung das System kennenlernen kann. Aus dieser Leitstelle heraus sollen Drohnenflüge verschiedener Betreiber überwacht und koordiniert werden. Die Forschenden entwickeln dafür ein System zur Kollisionsvermeidung, das Konflikte im Luftraum möglichst automatisch entschärfen oder gar nicht erst entstehen lassen soll. Menschen behalten dabei die Aufsicht – Verantwortung und Sicherheitsregeln bleiben ausdrücklich in menschlicher Hand.

Warum sich der Aufwand lohnen könnte

Noch ist der Drohnenverkehr in deutschen Städten überschaubar. Doch die Projektpartner rechnen damit, dass in den kommenden rund zehn Jahren deutlich mehr Transportdrohnen unterwegs sein werden. Interessant ist die Technologie vor allem für Transporte, bei denen es auf Tempo und Zuverlässigkeit ankommt: Ersatzteile, die einen Produktionsstillstand verhindern, Proben auf dem Weg vom Krankenhaus ins Labor oder eilige Medikamentenlieferungen. Solche Schnelltransporte sind auf der Straße oft nicht in der nötigen Form möglich – im Siegerland mit seiner bergigen Topografie und verwinkelten Verkehrswegen gilt das umso mehr.

Erprobt wird das System im Raum Siegen und Kreuztal, konzipiert ist es aber von Anfang an so, dass es auf andere Kommunen übertragbar sein soll. Bemerkenswert ist auch die wirtschaftliche Stoßrichtung: Nach Angaben der Universität soll die Infrastruktur ausdrücklich so gestaltet werden, dass auch kleine und mittlere Unternehmen sie nutzen können – Drohnenlogistik also nicht als Spielfeld großer Konzerne, sondern als Werkzeug für den Mittelstand.

Katastrophenschutz fliegt mit

Ein wesentlicher Teil der Arbeit gilt der Abstimmung mit den Organisationen, die den Luftraum im Ernstfall selbst brauchen. Feuerwehr Siegen, DLRG und THW sind als assoziierte Partner eingebunden und sollen in realen Szenarien mitprüfen, welche Sicherheitsbedingungen nötig sind, damit Lieferdrohnen etwa Rettungshubschraubern nicht in die Quere kommen. Ein erster Workshop mit den Beteiligten hat bereits stattgefunden.

Getragen wird das auf zweieinhalb Jahre angelegte Projekt von einem Konsortium aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kommune: Die Universität Siegen übernimmt Koordination und Systemintegration, ein regionales Drohnenlogistik-Unternehmen bringt operative Flugerfahrung ein, die Wirtschaftsförderung der Stadt Siegen unterstützt bei Reallaborflächen und dem Transfer in die kommunale Praxis.

Einordnung: Baustein für den „U-Space"

Das Siegener Projekt fügt sich in eine größere europäische Entwicklung ein. Mit dem sogenannten U-Space-Rahmen arbeitet die EU seit Jahren an Regeln, wie unbemannter Luftverkehr in niedrigen Höhen organisiert werden soll – inklusive digitaler Dienste für Flugfreigaben und Verkehrsinformationen. Was bislang weitgehend fehlt, sind praxistaugliche, bezahlbare Umsetzungen auf kommunaler Ebene. Gelingt der Nachweis, dass sich Drohnenverkehr mit einer transportablen Leitstelle sicher koordinieren lässt, hätte das Modellcharakter weit über Südwestfalen hinaus. Ob aus dem Forschungscontainer am Unteren Schloss tatsächlich ein Standardbaustein künftiger Stadtlogistik wird, dürfte sich gegen Ende der Projektlaufzeit Ende 2028 zeigen.


Redaktionelle Einordnung auf Basis einer Pressemitteilung der Universität Siegen (via Informationsdienst Wissenschaft / openPR) sowie öffentlich zugänglicher Informationen zum EU-U-Space-Rahmen.

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