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Gefunden werden, ohne geklickt zu werden: Warum Unternehmen jetzt über GEO reden

Immer mehr Menschen stellen ihre Fragen an ChatGPT statt an Google. Für Unternehmen entsteht damit eine neue Disziplin neben der Suchmaschinenoptimierung: Generative Engine Optimization. Eine Einordnung.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wer heute ein Produkt sucht, eine Dienstleistung vergleicht oder eine Fachfrage klären will, öffnet nicht mehr automatisch die Google-Suche. Ein wachsender Teil der Recherchen beginnt inzwischen in Chatbots wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini – oder endet in Googles eigenen KI-Übersichten, die fertige Antworten liefern, bevor der erste Link überhaupt sichtbar wird. Für Unternehmen, die jahrelang in Suchmaschinenoptimierung investiert haben, wirft das eine unbequeme Frage auf: Was nützt Platz eins bei Google, wenn niemand mehr bis zu den Ergebnissen scrollt? In der Online-Marketing-Branche kursiert dafür seit einiger Zeit ein eigenes Schlagwort – Generative Engine Optimization, kurz GEO. Auch auf Presseportalen häufen sich derzeit Mitteilungen von Agenturen, die das Thema für sich entdeckt haben.

Der Begriff GEO stammt nicht aus einer Werbeabteilung, sondern aus der Forschung: Geprägt wurde er Ende 2023 in einer Arbeit von Wissenschaftlern unter anderem der Princeton University, die untersuchten, wie sich Inhalte so gestalten lassen, dass generative KI-Systeme sie als Quelle heranziehen und zitieren. Die Grundidee unterscheidet sich deutlich von klassischem SEO. Dort geht es darum, in einer Ergebnisliste möglichst weit oben zu stehen und den Klick zu gewinnen. Bei GEO geht es darum, in einer maschinell formulierten Antwort überhaupt vorzukommen – als genannte Marke, als zitierte Quelle, als Empfehlung.

Dass sich hier etwas verschiebt, ist in Zahlen schwer exakt zu fassen, die Richtung aber ist deutlich. Branchenanalysen berichten übereinstimmend, dass die Klickraten auf klassische Suchergebnisse spürbar sinken, sobald eine KI-Antwort über den Treffern erscheint. Manche Studien beziffern den Rückgang auf rund die Hälfte. Zugleich geben in Befragungen immer mehr Nutzer – insbesondere im B2B-Umfeld – an, Recherchen direkt in KI-Assistenten zu starten. Solche Werte stammen allerdings überwiegend von Marktforschern und Marketing-Dienstleistern, die am Thema verdienen; sie sind eher als Trendsignal denn als exakte Messung zu lesen.

Was Unternehmen konkret tun können

Hinter dem neuen Etikett verbergen sich viele alte Tugenden. Wer in KI-Antworten auftauchen will, braucht Inhalte, die Sprachmodelle als verlässlich einstufen: klar strukturierte Texte mit überprüfbaren Fakten, Zahlen und Quellenangaben statt werblicher Superlative. Technisch helfen strukturierte Daten, sogenanntes Schema-Markup, mit denen Maschinen Inhalte leichter einordnen können. Und weil KI-Systeme ihr Bild einer Marke aus vielen Quellen zusammensetzen, gewinnt die Präsenz außerhalb der eigenen Website an Gewicht – Fachartikel, Verzeichnisse, Bewertungsplattformen, Nennungen in Medien. Wer nur auf der eigenen Domain existiert, ist für ein Sprachmodell schlicht wenig greifbar.

Auffällig ist, wie stark sich GEO-Empfehlungen mit dem decken, was Google seit Jahren unter dem Kürzel E-E-A-T predigt: Erfahrung, Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit. Seriöse Stimmen in der Branche betonen deshalb, dass GEO die Suchmaschinenoptimierung nicht ersetzt, sondern ergänzt. Die technische Basis – eine crawlbare, schnelle, sauber strukturierte Website – bleibt Voraussetzung dafür, dass KI-Systeme Inhalte überhaupt finden.

Zwischen echtem Wandel und Verkaufsargument

Skepsis ist dennoch angebracht, wenn Dienstleister GEO als völlig neue Wunderdisziplin verkaufen. Anders als bei Google gibt es für KI-Antworten bislang kaum verlässliche Messwerkzeuge: Welche Prompts Nutzer stellen, welche Quellen ein Modell in welcher Version heranzieht und wie stabil eine einmal erreichte Nennung bleibt, lässt sich nur näherungsweise beobachten. Erfolgsgarantien kann in diesem Umfeld niemand geben. Hinzu kommt, dass die Anbieter der KI-Systeme ihre Modelle laufend ändern – was heute zitiert wird, kann morgen verschwunden sein.

Für kleinere und mittlere Unternehmen dürfte die pragmatische Lehre lauten: kein Aktionismus, aber auch kein Wegsehen. Wer ohnehin an seiner Website arbeitet, tut gut daran, Inhalte faktenreicher und klarer zu strukturieren und die eigene Sichtbarkeit jenseits der Homepage zu pflegen. Das hilft in der klassischen Suche – und erhöht nebenbei die Chance, auch dann noch gefunden zu werden, wenn die Antwort nicht mehr aus zehn blauen Links besteht, sondern aus drei Sätzen einer Maschine.


Redaktionelle Einordnung eines Branchentrends auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen und aktueller Pressemitteilungen. Zahlenangaben Dritter sind als solche gekennzeichnet und nicht unabhängig geprüft.

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