Countdown für Project Online: Microsoft schaltet ab – und viele Projektmanager finden keinen Ersatz
Am 30. September 2026 stellt Microsoft Project Online ein. Der empfohlene Nachfolger Planner überzeugt viele Profis nicht – es fehlt an kritischem Pfad, Baselines und Ressourcenplanung. Ein Überblick über die Lage.
Für viele Unternehmen ist es das zentrale Werkzeug der Projektsteuerung, in wenigen Monaten ist es Geschichte: Microsoft schaltet Project Online zum 30. September 2026 endgültig ab. Die Abkündigung hatte der Konzern bereits im September 2025 bekannt gegeben; nach dem Stichtag sind Projekte und Daten in dem Dienst nicht mehr zugänglich. Wer bis dahin nicht migriert hat, steht vor verschlossenen Türen – und die Frage, wohin eigentlich, ist deutlich schwieriger zu beantworten, als man bei einem Microsoft-Produkt erwarten würde.
Kein Nachfolger im klassischen Sinn
Das Ungewöhnliche an diesem Produktende: Microsoft bietet keinen direkten 1:1-Ersatz an. Stattdessen verweist der Konzern auf den neuen Planner, der Aufgaben- und Projektmanagement auf einer gemeinsamen Plattform rund um Teams, die Power Platform und KI-Assistenten bündeln soll. Für On-Premises-Umgebungen bleibt daneben die Project Server Subscription Edition im Angebot, und der Desktop-Klassiker Microsoft Project ist von der Abschaltung nicht direkt betroffen. Doch gerade die Funktionen, für die Organisationen Project Online einsetzten – zentrale Ressourcenplanung über viele Projekte hinweg, Portfoliosteuerung, saubere Terminlogik –, deckt der Planner nach Einschätzung vieler Anwender bislang nur teilweise ab.
Die Community murrt
Wie groß die Lücke empfunden wird, zeigt eine Auswertung, die der deutsche Softwarehersteller ProjectWizards jetzt veröffentlicht hat. Das Unternehmen aus Melle hat nach eigenen Angaben 428 themenrelevante Beiträge aus der Projektmanagement-Community auf Reddit analysiert. Das Ergebnis: Gut 42 Prozent der Beiträge drehen sich um fehlende „Scheduling-Tiefe" – also um Funktionen wie kritischen Pfad, Abhängigkeiten, Baselines und Ressourcenabgleich, die in professioneller Terminplanung Standard sind. Auf Platz zwei der Sorgen folgen Kosten und Lizenzen. Von gut hundert Beiträgen mit Planner-Bezug fielen laut der Auswertung deutlich mehr negativ als positiv aus; ein Nutzer bezeichnete das Werkzeug demnach als „glorifizierte To-do-Liste mit Preisschild".
Zur Einordnung: Die Analyse stammt von einem Anbieter, der mit Merlin Project selbst eine Projektmanagement-Software für Apple-Geräte vertreibt und damit vom Umstiegsdruck profitieren kann. Es handelt sich zudem um eine schlagwortbasierte Auswertung öffentlicher Forenbeiträge, nicht um eine repräsentative Umfrage – das räumt das Unternehmen in seiner Methodik selbst ein. Dass die Grundstimmung getroffen ist, legen allerdings auch unabhängige Einschätzungen von Microsoft-Partnern und Beratungshäusern nahe, die seit Monaten auf die anspruchsvolle Migration hinweisen.
Was betroffene Unternehmen jetzt klären sollten
Für Organisationen, die Project Online im Einsatz haben, tickt die Uhr gleich doppelt: Neben dem Abschalttermin Ende September laufen auch flankierende Funktionen wie die Project-Online-Workflows im Lauf des Jahres 2026 aus, und seit dem Frühjahr können keine neuen Tenants mehr angelegt werden. Wer migrieren muss, sollte zuerst den eigenen Funktionsbedarf inventarisieren: Reicht kollaboratives Aufgabenmanagement, wie es der Planner bietet? Oder hängen Berichtswesen, Ressourcenauslastung und Terminketten an Funktionen, die nur vollwertige PPM-Werkzeuge liefern – sei es die Project Server Subscription Edition, Lösungen von Drittanbietern auf der Power Platform oder eigenständige Tools, von denen es je nach Plattform und Budget eine ganze Reihe gibt?
Ebenso wichtig ist die Datenfrage: Projekthistorien, Baselines und Ist-Werte lassen sich nicht in jedem Zielsystem verlustfrei abbilden. Fachleute raten deshalb, Exporte und Archivierung nicht auf die letzten Wochen vor der Abschaltung zu verschieben.
Ein Muster, das sich wiederholt
Der Fall reiht sich in eine Serie von Produktabkündigungen ein, die Unternehmen zunehmend beschäftigt – vom Telefonanlagen-Klassiker bis zum Cloud-Dienst. Die Lehre ist jedes Mal dieselbe: Wer geschäftskritische Prozesse auf einem einzelnen Produkt aufbaut, sollte dessen Lebenszyklus im Blick behalten und Exit-Szenarien kennen, bevor der Hersteller den Stecker zieht. Bei Project Online bleiben dafür noch knapp drei Monate.
Redaktionelle Einordnung auf Basis einer Herstellermitteilung sowie öffentlich zugänglicher Informationen von Microsoft und Beratungshäusern.
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