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Beratung per Bildschirm: Wie Telepharmazie die Arzneimittelversorgung verändern soll

E-Rezept, elektronische Patientenakte und nun Telepharmazie: Die Digitalisierung der Apotheken nimmt Fahrt auf. Doch zwischen ehrgeiziger Strategie und Alltag klafft noch eine Lücke.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Wer heute ein Rezept einlöst, kramt immer seltener nach dem rosa Papierzettel. Das elektronische Rezept ist nach Jahren des Anlaufs zum Normalfall geworden – und es ist nur ein Baustein eines größeren Umbruchs. Auf dem 19. Kongress des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA) Mitte Juni 2026 stand mit der Telepharmazie die nächste Entwicklungsstufe im Mittelpunkt: die pharmazeutische Beratung und Betreuung über digitale Kanäle. Anlass genug, einen nüchternen Blick auf den Stand der digitalen Arzneimittelversorgung zu werfen.

Vom Papierrezept zum digitalen Standard

Die Bundesregierung verfolgt mit ihrer Digitalisierungsstrategie unter dem Leitbild „Gemeinsam Digital" das Ziel, das Gesundheitswesen bis 2030 zu einem stärker digital gestützten und auf den Menschen ausgerichteten System weiterzuentwickeln. Die Richtung ist dabei eindeutig auf Ausbau, Integration und Standardisierung digitaler Versorgungsformen angelegt – nicht auf deren Begrenzung. Wie weit dieser Wandel bereits fortgeschritten ist, zeigt eine Zahl: Mit über einer Milliarde eingelöster E-Rezepte gilt die digitale Verordnung von Arzneimitteln inzwischen als fest etablierter Standard. Hinzu kommt die elektronische Patientenakte (ePA), die als zentrale Sammelstelle für Gesundheitsdaten gedacht ist.

Was Telepharmazie bedeutet

Telepharmazie beschreibt, vereinfacht gesagt, pharmazeutische Leistungen, die nicht am Ladentisch, sondern über Telefon, Video oder andere digitale Wege erbracht werden. Aus Sicht von Branchenverbänden eignet sich diese Form besonders gut für Beratungsgespräche und für definierte pharmazeutische Dienstleistungen – etwa Medikationsanalysen oder die Begleitung chronisch kranker Menschen. Befürworter argumentieren, dass sich so Versorgungslücken schließen lassen, etwa in ländlichen Regionen oder für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Wichtig ist dabei die Einordnung: Solche Aussagen spiegeln vor allem die Position der Anbieter und Verbände wider; wie groß der tatsächliche Nutzen im Versorgungsalltag ausfällt, wird sich erst in der Praxis und in unabhängigen Auswertungen zeigen müssen.

Wo es im Alltag noch hakt

Dass zwischen Strategiepapier und Versorgungsrealität noch eine Lücke klafft, zeigt der Übergang bei der Rezepteinlösung. Das bisher genutzte CardLink-Verfahren soll laut Branchenangaben ab dem Ende des ersten Quartals 2026 schrittweise durch die Einlösung per Gesundheits-ID abgelöst werden. Die dafür nötige Infrastruktur steht jedoch noch nicht flächendeckend bereit: Schätzungen aus der Branche zufolge verfügten zuletzt weniger als zwei Millionen Versicherte über eine funktionierende Gesundheits-ID. Bei rund 74 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland ist das ein verschwindend kleiner Anteil – und ein Beispiel dafür, wie ehrgeizige Zeitpläne und technischer Alltag auseinanderdriften können.

Ein Markt im Umbruch

Hinter der Debatte steht ein größerer Strukturwandel. Versandapotheken, Vor-Ort-Apotheken und Politik ringen seit Jahren um die richtige Balance zwischen digitaler Bequemlichkeit, wohnortnaher Versorgung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit – zuletzt sichtbar in den Diskussionen um ein Apothekenreformgesetz. Telepharmazie ist in diesem Geflecht weniger ein fertiges Produkt als ein Sammelbegriff für Möglichkeiten, die nun rechtlich und technisch ausgestaltet werden. Für Patientinnen und Patienten dürfte am Ende entscheidend sein, ob die digitalen Angebote die persönliche Beratung sinnvoll ergänzen, ohne sie zu verdrängen. Die Weichen dafür werden gerade gestellt.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Branchen- und Digitalisierungstrends und stellt keine Gesundheits- oder Rechtsberatung dar. Bei Fragen zu Arzneimitteln und Behandlungen sind Apotheke und Arztpraxis die richtigen Ansprechpartner.

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