Ratgeber

Verstopfter Abfluss: So bekommen Sie ihn ohne aggressive Chemie wieder frei

Ein langsam ablaufendes Waschbecken oder eine stehende Dusche lassen sich meist ohne teuren Rohrreiniger beheben. Mit einfachen Werkzeugen, Hausmitteln und etwas Vorbeugung wird der Abfluss wieder frei – und bleibt es länger.

Von Redaktion · · 4 Min. Lesezeit

Wenn das Wasser im Waschbecken nur noch träge abläuft oder in der Dusche knöcheltief steht, muss nicht gleich der scharfe Rohrreiniger her. Die meisten Verstopfungen sitzen dicht unter dem Abfluss und bestehen aus Haaren, Seifenresten und Fett. Solche Ablagerungen lassen sich mit einfachen Mitteln lösen, die die Rohre schonen und weder Ihre Haut noch die Umwelt belasten. Diese Anleitung zeigt, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen – von der schnellen Soforthilfe bis zur Vorbeugung.

Erst die Ursache eingrenzen

Bevor Sie loslegen, lohnt ein kurzer Blick: Läuft nur ein Becken langsam ab oder mehrere Abflüsse gleichzeitig? Betrifft es nur eine Stelle, sitzt die Verstopfung meist direkt im Siphon oder kurz dahinter – das können Sie in der Regel selbst beheben. Stauen sich dagegen mehrere Abflüsse oder gluckert es an weit entfernten Stellen, liegt das Problem tiefer im Hausrohr. Dann ist Vorsicht geboten, und im Zweifel ist ein Fachbetrieb die bessere Wahl als immer stärkere Mittel.

Entfernen Sie zunächst sichtbare Rückstände: In Dusche und Badewanne genügt es oft, das Sieb herauszunehmen und Haare mit einer Pinzette oder einem Haken herauszuziehen. Am Waschbecken lässt sich der Stöpsel meist herausdrehen. Schon dieser einfache Schritt löst viele beginnende Verstopfungen.

Mechanisch arbeiten: Saugglocke und Abflussspirale

Die zuverlässigste Methode ist der gute alte Pümpel, auch Saugglocke genannt. Wichtig ist, dass die Gummiglocke den Abfluss vollständig abdeckt und genug Wasser im Becken steht, damit der Rand der Glocke eintaucht. Verschließen Sie bei Doppelbecken oder vorhandenem Überlauf die zweite Öffnung mit einem feuchten Tuch – nur so baut sich der nötige Druck auf. Pumpen Sie dann kräftig und gleichmäßig auf und ab. Der Wechsel aus Druck und Sog löst die Ablagerungen oft nach einigen Stößen.

Bleibt der Erfolg aus, hilft eine Abflussspirale aus dem Baumarkt. Schieben Sie sie vorsichtig in den Abfluss, bis Sie einen Widerstand spüren, und drehen Sie sie mit leichtem Druck weiter. So durchbrechen oder greifen Sie den Pfropfen und können ihn herausziehen. Ein aufgebogener Draht mit kleinem Haken am Ende leistet bei Haaren im Duschabfluss Ähnliches.

Den Siphon reinigen

Der Siphon – das gebogene Rohr unter dem Waschbecken – ist die häufigste Sammelstelle für Fett und Haare. Ihn zu öffnen ist einfacher, als viele denken. Stellen Sie einen Eimer darunter, denn im Bogen steht immer Wasser. Lösen Sie die beiden Überwurfmuttern von Hand oder mit einer Rohrzange, nehmen Sie das Zwischenstück ab und spülen Sie es gründlich aus. Kratzen Sie Ablagerungen mit einer alten Flaschenbürste heraus. Beim Zusammenbau achten Sie darauf, dass die Dichtungen richtig sitzen, und ziehen Sie die Muttern nur handfest an. Prüfen Sie zum Schluss bei laufendem Wasser, ob alles dicht ist.

Hausmittel für leichte Fälle

Bei beginnenden oder leichten Verstopfungen können Hausmittel unterstützen. Bewährt hat sich die Kombination aus Natron und Essig: Geben Sie etwa zwei bis drei Esslöffel Natron in den Abfluss und gießen Sie eine Tasse Essig oder Essigessenz nach. Es schäumt und sprudelt – lassen Sie die Mischung rund 15 bis 30 Minuten einwirken und spülen Sie dann mit reichlich heißem (nicht kochendem) Wasser nach. Kochendes Wasser kann Kunststoffrohre und Dichtungen beschädigen, daher besser heißes Leitungswasser verwenden.

Reines heißes Wasser mit einem Schuss Spülmittel wirkt vor allem gegen Fettpfropfen in der Küchenspüle, weil das Fett dabei weich wird. Wichtig zu wissen: Hausmittel lösen dünne Beläge und wirken vorbeugend, ersetzen bei einem festen Pfropfen aber nicht die mechanische Reinigung mit Saugglocke oder Spirale.

So beugen Sie neuen Verstopfungen vor

Die beste Verstopfung ist die, die gar nicht erst entsteht. Ein feinmaschiges Sieb über dem Abfluss fängt Haare und Speisereste ab, bevor sie ins Rohr gelangen – das kostet wenig und spart viel Ärger. Gießen Sie Frittier- und Bratfett niemals in die Spüle; im erkalteten Zustand gehört es in den Restmüll, denn im Rohr wird es hart und verengt es nach und nach. Auch Kaffeesatz sammelt sich gern im Siphon.

Spülen Sie Küchen- und Badabflüsse etwa einmal pro Woche mit reichlich heißem Wasser durch, damit sich Fett und Seife gar nicht erst festsetzen. In der Dusche lohnt es sich, das Haarsieb regelmäßig zu leeren. Diese kleinen Gewohnheiten halten die Rohre über Jahre frei.

Fazit

Ein verstopfter Abfluss ist selten ein Fall für scharfe Chemie. Meistens reichen ein Blick in Sieb und Siphon, eine Saugglocke oder Abflussspirale und etwas Natron mit Essig, um das Wasser wieder frei laufen zu lassen. Wer zusätzlich Haare und Fett gar nicht erst ins Rohr lässt und regelmäßig mit heißem Wasser nachspült, hält den Abfluss dauerhaft in Schuss. Bleibt die Verstopfung trotz aller Versuche bestehen oder betrifft sie mehrere Abläufe, ist ein Fachbetrieb die sichere Lösung.