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Warum manche Start-ups Krisen überstehen – und andere nicht

Zwei junge Unternehmen, derselbe wirtschaftliche Schock – und völlig verschiedene Ausgänge: Neue Forschung rückt die Haltung der Gründerinnen und Gründer in den Mittelpunkt. Sie könnte erklären, warum Krisen manche Firmen aussortieren und andere stärken.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Steigende Zinsen, wegbrechende Nachfrage, ein plötzlicher Lieferengpass: Krisen treffen junge Unternehmen selten mit Ansage. Auffällig ist, dass zwei Firmen unter fast identischen Bedingungen gegensätzlich enden können – die eine gerät ins Straucheln, die andere kommt gestärkt heraus. Aktuelle Forschung geht der Frage nach, woran das liegt, und lenkt den Blick weg von reinen Marktfaktoren hin zu etwas schwerer Messbarem: der inneren Haltung der Gründerinnen und Gründer.

Gleicher Schock, unterschiedliche Reaktion

Der Ausgangspunkt ist eine Beobachtung, die Ökonomen seit Langem beschäftigt: Unternehmen müssen in Krisen oft unter hohem Zeitdruck und großer Unsicherheit weitreichende Entscheidungen treffen. Dabei reagieren sie auf denselben äußeren Schock erstaunlich verschieden. Ein Teil dieser Unterschiede lässt sich mit Branche, Größe oder Kapitalausstattung erklären – doch ein Rest bleibt, der sich der harten Betriebswirtschaft entzieht. Forschende verorten ihn zunehmend im sogenannten Mindset: der Art, wie Führungspersonen Bedrohungen deuten und in Handlungen übersetzen.

Entscheidend ist demnach weniger, ob eine Krise kommt, als wie sie eingeordnet wird. Wer einen Einbruch als endgültiges Scheitern liest, neigt zu Erstarrung oder überstürztem Rückzug. Wer ihn als vorübergehende, gestaltbare Störung begreift, sucht eher nach Handlungsspielräumen – auch dort, wo sie nicht offensichtlich sind. Diese Deutung ist keine bloße Charakterfrage, sondern beeinflusst konkret, ob ein Team an einem Produkt festhält, umschwenkt oder aufgibt.

Was Resilienz praktisch bedeutet

In der Gründungsforschung fällt in diesem Zusammenhang häufig der Begriff Resilienz. Gemeint ist damit nicht dickfelliges Durchhalten um jeden Preis, sondern eine Mischung aus Flexibilität, realistischer Selbsteinschätzung und der Fähigkeit, Unterstützung zu organisieren. Resiliente Gründerinnen und Gründer kennen ihre Ressourcen, greifen früh auf Netzwerke zurück und behalten eine nüchtern-hoffnungsvolle Perspektive, statt zwischen Euphorie und Panik zu schwanken. Gerade der Rückgriff auf soziale Unterstützung – Mentoren, Mitgründer, erfahrene Kontakte – gilt als unterschätzter Faktor.

Dass diese Haltung kein Luxusthema ist, zeigt ein Blick auf die psychische Belastung im Gründungsalltag. Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine deutliche Mehrheit der Unternehmerinnen und Unternehmer direkt oder indirekt mit psychischen Belastungen zu tun hat. Wer unter diesem Druck handlungsfähig bleiben will, braucht mehr als einen guten Businessplan – nämlich Strategien, um Rückschläge zu verarbeiten, ohne die Orientierung zu verlieren.

Ein Umdenken im Gründungsdiskurs

Die Erkenntnisse fügen sich in eine breitere Verschiebung: Statt das klassische Businessplan-Dogma in den Mittelpunkt zu stellen, betonen viele Fachleute inzwischen Haltung, Anpassungsfähigkeit und tragfähige Netzwerke. Historische Beispiele stützen das Argument, dass wirtschaftliche Umbruchphasen nicht nur Firmen vernichten, sondern auch bemerkenswerte Neugründungen hervorbringen – Unternehmen, die gerade unter widrigen Bedingungen entstanden und später zu Marktführern wurden.

Für die Praxis lässt sich daraus keine Erfolgsgarantie ableiten, wohl aber eine Blickrichtung. Wer Start-ups fördern will – ob als Kapitalgeber, Programmträger oder Berater –, dürfte gut beraten sein, nicht allein auf Zahlen und Produktideen zu schauen, sondern auch darauf, wie ein Team mit Unsicherheit umgeht. Denn wenn der nächste Schock kommt, entscheidet oft weniger die Ausgangslage als die Frage, wer daraus etwas zu machen versteht.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung aktueller Forschung und Debatten und erhebt keinen Anspruch auf abschließende wissenschaftliche Bewertung.