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Acht Anwender auf einen Entwickler: Was der KI-Anteil in Stellenanzeigen wirklich aussagt

1,3 Prozent aller deutschen Stellenanzeigen nannten 2025 einen KI-Bezug – ein Rekordwert und trotzdem eine kleine Zahl. Interessanter als der Anteil ist ein Befund daneben: Zwischen der KI-Nähe eines Berufs und dem tatsächlichen Wandel der geforderten Fähigkeiten besteht in Deutschland fast kein Zusammenhang.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Wer wissen will, wie tief künstliche Intelligenz einen Arbeitsmarkt bereits durchdrungen hat, schaut traditionell auf Stellenanzeigen. Sie gelten als Frühindikator: Was Unternehmen suchen, verrät, was sie planen. Für Deutschland liefert die jüngste Auswertung von PwC dazu eine Zahl, die je nach Blickwinkel groß oder klein wirkt. 1,3 Prozent aller ausgeschriebenen Stellen hatten 2025 einen KI-Bezug – rund 125.000 Anzeigen. Das ist der höchste je gemessene Wert und ein deutlicher Anstieg gegenüber etwa einem Prozent im Jahr davor. Es bedeutet aber auch: In 98,7 von 100 Ausschreibungen kommt das Thema nicht vor.

Die Zahl daneben ist die interessantere

Der eigentlich bemerkenswerte Befund der Untersuchung steht nicht in der Überschrift. Er betrifft den Zusammenhang zwischen der sogenannten KI-Exponierung eines Berufs – also der Frage, wie stark sich seine Tätigkeiten grundsätzlich automatisieren oder unterstützen lassen – und dem messbaren Wandel der Fähigkeiten, die in Anzeigen für diesen Beruf verlangt werden. International fällt dieser Zusammenhang deutlich aus: Wo KI eingreift, verschieben sich die geforderten Kompetenzen. Für Deutschland weist die Auswertung eine Korrelation von 0,02 aus. Das ist statistisch praktisch nichts.

Zwei Deutungen liegen nahe, und sie schließen einander nicht aus. Die erste: Deutsche Unternehmen setzen KI zwar ein, aber überwiegend als Werkzeug innerhalb unveränderter Arbeitsabläufe – die Rolle bleibt, das Hilfsmittel wechselt. Dafür spricht ein weiterer Wert aus derselben Erhebung: Auf jede ausgeschriebene Entwicklerrolle im KI-Umfeld kommen hierzulande etwa acht Rollen, in denen KI lediglich angewendet werden soll. Die zweite Deutung ist unbequemer: Die Anforderungen haben sich sehr wohl verändert, nur bilden die Stellenanzeigen das nicht ab, weil sie aus Textbausteinen bestehen, die selten grundlegend überarbeitet werden.

Warum das kein reines Messproblem ist

Personalberatungen berichten aus der Praxis von einem Muster, das zu dieser zweiten Lesart passt. Ilka Zeiner, Geschäftsführerin der auf IT-Rollen spezialisierten Beratung indivHR, formuliert es in einer aktuellen Mitteilung so, dass KI die Profile nicht klarer mache, sondern anspruchsvoller – weil Unternehmen neue Erwartungen in bestehende Rollen hineinlegten, ohne sie neu zu beschreiben. Das ist die Sicht eines Marktteilnehmers und keine erhobene Größe; als Beobachtung deckt sie sich aber mit dem, was die Zahlen nahelegen.

Praktisch relevant wird der Unterschied dort, wo Suchen ohnehin schwierig sind. Ob eine Position KI-Systeme betreiben, in bestehende Fachanwendungen integrieren, ihre Datengrundlage sichern, ihre Nutzung steuern oder tatsächlich Modelle entwickeln soll, sind fünf sehr verschiedene Aufgaben mit fünf sehr verschiedenen Bewerbermärkten. Eine Anzeige, die schlicht „Erfahrung mit KI" verlangt, deckt alle fünf ab und trifft keine. Das erzeugt Bewerbungen, aber keine Passung – und verlängert Besetzungszeiten in Bereichen, in denen sie ohnehin lang sind: Cloud, Cybersicherheit, Datenarchitektur, SAP-Umfeld, IT-Führung.

Was sich daraus ableiten lässt – und was nicht

Vorsicht ist bei der Gegenrichtung geboten. Aus einem KI-Anteil von 1,3 Prozent folgt nicht, dass der deutsche Arbeitsmarkt von der Technologie unberührt bliebe. Stellenanzeigen erfassen nur Neubesetzungen, nicht die Veränderung bestehender Arbeitsplätze – und gerade dort dürfte der Großteil der Anpassung stattfinden. Umgekehrt taugt der Rekordwert auch nicht als Beleg für eine laufende Transformation, solange die geforderten Fähigkeiten sich kaum bewegen.

Belastbar ist vor allem eine mittlere Aussage: Der Arbeitsmarkt spricht über KI, ohne dass sich die Beschreibung von Arbeit dadurch bislang wesentlich verändert hätte. Ob das eine Verzögerung ist, die sich in den kommenden Erhebungen auflöst, oder ein struktureller Unterschied zu Märkten wie den USA oder Großbritannien, lässt sich derzeit nicht entscheiden. Die nächsten Jahrgänge derselben Auswertung werden es zeigen – vorausgesetzt, man liest die Korrelation und nicht nur den Prozentwert.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung öffentlich verfügbarer Arbeitsmarktdaten und Branchenaussagen. Angaben einzelner Unternehmen sind als deren Einschätzung gekennzeichnet und wurden nicht unabhängig überprüft.